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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der Klang der Langsamkeit

05.01.2018

Golzwarden /Hannover Wo der Autofahrer auf die Bremse tritt, hält es der Musiker mit dem Ritardando. Bitte verzögern! Die Musik nimmt behutsam Tempo heraus, aber sie strebt trotzdem nachdrücklich zum Ziel. Das beschreibt ganz gut den Zustand, in dem sich die Arp-Schnitger-Gesellschaft (ASG) befindet.

Der in Golzwarden bei Brake im Kreis Wesermarsch ansässige Zusammenschluss hat in seinem Programm eine Vision festgeschrieben: „Die Unesco erklärt die weltweit existierenden Arp-Schnitger-Orgeln zum Weltkulturerbe!“ Doch nach den jüngsten Entwicklungen wissen die rund 300 Mitglieder auch: Selbst ein solch gut Ding will Weile haben.

170 Orgeln weltweit

Die jüngste Entwicklung: Im Dezember 2017 hat die Unesco generell „die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland“ bereits zum Weltkulturerbe erhoben. Dem speziellen Ziel der ASG mag das nicht unbedingt geholfen haben. Doch die Aktivisten sehen sich nicht als Separatisten, wenn sie dennoch meinen, dass Schnitgers Werk ein eigener Kulturerbestatus zusteht.

„Schnitger steht für eine besondere Kultur des Orgelbaus”, sagt Helmut Bahlmann, der stellvertretende Vorsitzende. „Es werden zudem sogar neue Orgeln entworfen, die von seiner Ästhetik inspiriert sind.“

170 Orgeln hat der 1648 in Schmalenfleth geborene Handwerks-Künstler gebaut, weltweit, nicht nur im Bereich zwischen Hamburg und Groningen. 30 weisen noch einen Zustand auf, der sie das Qualitäts- und Klangprädikat „Schnitger-Orgel” führen lässt.

Inzwischen kann sich die Gesellschaft auf ein einstimmiges Votum des Niedersächsischen Landtages stützen, in dem das Plenum sich hinter das visionäre Ziel der Gesellschaft stellt. „Da müssen wir keine aufwendige Lobbyarbeit betreiben”, sagt Bahlmann und schmunzelt. „Schließlich kommt Björn Thümler aus der Wesermarsch.“ Der CDU-Mann ist im neuen Kabinett inzwischen Minister für Wissenschaft und Kultur.

Mühsam, kostspielig, bürokratisch umständlich und begrifflich vertrackt zeichnet sich der Weg zum Weltkulturerbe-Antrag dennoch ab. „Eigentlich hat die Gesellschaft derzeit keine Chance”, hat der stellvertretende Referatsleiter Niels Juister vom Landesamt für Denkmalpflege unlängst erklärt. „Das ist der realistische Stand”, muss auch Bahlmann beipflichten.

In einem Boot

Doch im Vorstand herrscht Kampfgeist: „Wir werden noch ganz viel in Bewegung bringen!” Dafür gibt es bereits ein griffiges Nahziel. 2019 jährt sich Schnitgers Tod zum 300. Mal. Auf dieses Jubiläumsjahr steuert ein schon gut besetztes Boot zu. Die Landesregierung sitzt mit drin, die Gesellschaft Musikland Niedersachsen, der Orgelförderverein Nomine, die Groninger Orgellandschaft und viele andere. „Es wird eine Kampagne, die viele ansprechen wird”, zeichnet sich für Bahlmann ab. Vielleicht leitet sie ja einen Tempowechsel ein. Auf Accelerando, langsam beschleunigen.