Wildeshausen - An Grenzen stoßen, Grenzen setzen, Grenzen überschreiten - die „Grenzgänger“ aus Bremen tasten sich vorsichtig an Verschüttetes, versuchen Gratwanderungen, durchmischen Musikstile. Der Name der 1989 in der Hansestadt gegründeten Gruppe ist also Programm, natürlich auch, wenn das Ensemble am Sonntag, 11. Oktober, um 20 Uhr auf Einladung des Kulturkreises im Saal der Wildeshauser Kreismusikschule die Bühne betritt.

Als zeitliche Grenzgänger entdecken die Künstler vergessene Volkslieder und andere Texte neu und präsentieren damit Kommentare zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen. Sie überschreiten die engen Grenzen der Volksliedmelodien, indem sie sie mit anderen Stilen wie Blues, Soul, Chancon, Swing, irischer und amerikanischer Volksmusik und lateinamerikanischen Rhythmen bis hin zum Rap mischen, heißt es in der Ankündigung.

Für ihr Wildeshauser Programm und ihre CD „Maikäfer flieg!“ haben die Künstler hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg an die 3000 Lieder aus dem Deutschen Volksliedarchiv Freiburg an die Oberfläche befördert, gesichtet und ausgewertet, mit allen musikalischen Wassern der nachfolgenden Zeiten gewaschen und dabei mit großer Sorgfalt einfühlsam entstaubt.

Entstanden sind keine historischen oder gar militärischen Dokumente, keine Biographien, sondern vielmehr schillernde Geschichten von Schicksalen, von Stimmungen und Wertungen „zwischen Begeisterung, Trauma und Tragödie“, wie sie sich in den Volksliedern der Jahre 1914 bis 1918 spiegeln - Geschichte wird „von unten erzählt“.

Dabei klingen die „Grenzgänger“ 25 Jahre nach ihrer Gründung so druckvoll und virtuos wie selten, Frederic Drobnjak spielt die Gitarre im Stile eines Django Reinhardt, Felix Kroll zaubert am Akkordeon ein ganzes Orchester auf die Bühne, Annette Rettich berührt am Cello und verschmilzt mit der Stimme von Michael Zachcial, der auf unverwechselbare Art die Weltkriegsgeschichte und die alten Lieder mit dem Hier und Jetzt verbindet. Und so spannen die Künstler mit ihren Liedern - darunter auch Ohrwürmer wie „Lili Marleen“ oder „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ - einen weiten, oft beklemmenden thematischen Bogen, unter dem die Kriegseuphorie neben dem Wunsch nach Frieden und Brot ebenso Platz finden wie die Liebe oder das Maschinengewehr.

Der Vorverkauf hat in der Gildebuchhandlung ( t  0 44 31/7 11 75) und bei Bökers am Markt ( t  04431/ 92163) bereits begonnen. Dort sind Tickets zum Preis von 15 Euro (ermäßigt acht Euro) zu erhalten. Über die Kartenlage informiert der Kulturkreis wie gewohnt am 11. Oktober ab 18.30 Uhr unter t  0163/ 8 27 00 52.