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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Griesgram auf dem Leuchtturm

19.05.2015

Oldenburg Der Leuchtturmwärter Paul Gebhardt ist im Leben oft enttäuscht worden. Er hat sich von den Menschen abgewandt und versieht seit 14 Jahren seinen Dienst mitten im Meer.

Gebhardt liebt die Einsamkeit, die er immer wieder erfolgreich gegen Eindringlinge verteidigt. Nun sagt sich für den Posten des Assistenten der 46. Kandidat an. Das ist die Ausgangslage im Stück „Ünner’t Lüchtfüer“ von Arne Christophersen, das am Sonntag im nicht ausverkauften Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters Premiere hatte. Das Publikum belohnte die Leistung der Akteure der August-Hinrichs-Bühne mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus – und das zu Recht.

Tänzerische Augenweide

In der Rolle des griesgrämigen Leuchtturmwärters überzeugt Hajo Freitag mit seiner langen Bühnenerfahrung auf ganzer Linie. Als wortkarger Sonderling und Knadderpott macht er seinem neuen Assistenten Bengt Reepschläger das Leben schwer. Kevin Sandersfeld agiert mit großer Spielfreude und ist tänzerisch eine Augenweide. Er beweist artistisches Können bei seinen Sprüngen und Hüpfern von einem roten Feld zum anderen.

Denn Gebhardt hat sein Refugium in Sektoren eingeteilt. „Rot is dien, witt (weiß) is nich dien“, erklärt er Bengt kurz und bündig. Der Absurdität dieses Zusammenlebens setzt der junge Mann unbekümmert flotte Sprüche entgegen. Ihm bleibt auch nicht viel anderes übrig, denn er muss auf dem Leuchtturm ausharren. Ein Berg an Schulden macht eine Rückkehr aufs Festland vorerst unmöglich.

Ein Lichtblick im trostlosen Dasein auf dem Leuchtturm ist für Bengt der Postbote Herbert Traulsen, der alle 14 Tage Briefe und Pakete zur kleinen Insel bringt. Herwig Dust setzt als Postbüdel die komischen Akzente in dieser Inszenierung, Mimik und Gestik sind unvergleichlich und treffend.

Ein Brief von seiner Tochter Nina (Annika Printz mit einer soliden Leistung) bringt den alten Zausel Gebhardt emotional aus dem Gleichgewicht. Sie will ihn auf seinem Leuchtturm besuchen. Das hat sie noch nie getan. Durch ihren Besuch ändert sich die Beziehung von Gebhardt und Bengt grundlegend. Die rot-weiße Grenzziehung wird aufgehoben. Der Bullerballer offenbart hinter seiner rauen Schale einen weichen Kern.

Großes Theater

Die Nachricht von Ninas tödlicher Krankheit wirft ihn allerdings aus der Bahn. In seiner Wut und Verzweiflung verkriecht er sich erneut hinter seiner rauen Schale und macht wieder Jagd auf Möwen. Von den an der Decke hängenden Vögeln (aus Kunststoff) müssen einige dran glauben.

Herausragend und anrührend agieren Freitag, Sandersfeld und Printz in der Sterbeszene. Sie ziehen das Publikum dabei ganz in ihren Bann. Das ist großes Theater.

Krystyn Tuschhoff betont in ihrer Inszenierung dieses viel gespielten Stücks die tragikomischen Momente, das wirkt zuweilen etwas schräg. Aber dadurch hält sie die Geschichte in Schwung. Für eine authentische Leuchtturmatmosphäre sorgt das Bühnenbild (Anike Sedello).

Mit der Geschichte über eine besondere Freundschaft, die in den Stürmen des Lebens Bestand hat, setzt die August-Hinrichs-Bühne zum Ende der Spielzeit noch einmal ein besonderes Glanzlicht. Die Inszenierung dürfte bei den Premierenbesuchern noch lange nachwirken.


Alle NWZ -Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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