• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 2 Minuten.

Software-Unternehmer
John McAfee tot im Gefängnis gefunden

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kino: Griesgram trifft auf Chaotin

18.07.2016

Berlin Ein alter, verbohrter Kerl rasselt mit einer jungen, chaotischen Frau zusammen: Taugt das simple Rezept für einen guten Film? Ja – wenn es ein französischer Spielfilm ist und man als Zuschauer nicht auf Tiefsinn wartet. Zudem genießen wir eine glänzende Besetzung: Claude Brasseur als verschnupfter Herr, Filmdebütantin Noémie Schmidt als kecke Constance.

„Frühstück bei Monsieur Henri“ ist ein sehr französischer Film – in der Musik, im Dialog, in der Kameraführung. Und Regisseur und Drehbuchautor Ivan Calbérac hat dem Streifen eine ganz eigene, oft ruppige Sprache verpasst. Erzählt wird eine Geschichte von Distanz und Annäherung, von Erinnerung und Melancholie: Ein Witwer vermietet auf Druck seines Sohnes ein Zimmer seiner großen Pariser Altbauwohnung an eine junge Frau. Der alte Raunzer mag weder seinen eigenen Sohn sonderlich, die langweilige Schwiegertochter schon gar nicht und die neue Mitbewohnerin auch nicht. Und dann stürzt die junge Constance, das Mädchen aus der Provinz, auch noch sein wohlgeordnetes Kleinbürgerleben in WG-Turbulenzen.

Das unfaire Leben

Sie, die vor dem herrischen Vater floh, schlüpft in seine Schlappen, spielt auf dem verbotenen Klavier, an dem doch nur seine verstorbene Frau spielen durfte. Sicher, sie ist eine hochbegabte Komponistin. Aber sie hat kein Glück und kein Selbstvertrauen. Als sie zum fünften Mal den Führerschein machen will, verwechselt sie in der Prüfung heiter rechts mit links, was keinem Straßenverkehr guttut. Als sie erstmals die Wohnung besichtigt, regieren sofort die Missverständnisse. Sie ruft mädchenhaft freudig: Was für ein schöner Blick ins Grüne! Der alte Miesmacher: Das ist ein Friedhof!

Zügig sieht man im Pedanten Henri Züge von Molières Menschenfeind aufblitzen. Brasseurs Gesicht wirkt gemeißelt. In ihm spiegelt sich das unfaire Leben, die zu früh gestorbene Frau, der in seinen Augen zu lasche Sohn. Natürlich würde er die abgebrannte Studentin gleich rauswerfen, wenn er nicht eine diabolische Idee hätte, um die Ehe seine Sohnes zu sabotieren...

Der Film lebt mehr vom Aufprall der beiden Typen als von der Intrige. Es geht um alt gegen jung, stur gegen frech. Und wie sich die beiden vom Leben Verletzten nähern. Das ist vorhersehbar? Gewiss, und die junge Frau bündelt sogar einige heutige Jugendprobleme in fast zu sauberer soziologischer Manier: ohne Abschluss, ohne Geld, ohne Zutrauen und ohne Wohnung.

Wie ein Scheibenwischer

Dennoch: Man sieht gern über die Klischees hinweg. Denn „Frühstück bei Monsieur Henri“ ist eine sonst gelungene Komödie über Wohnungsnot und Alterseinsamkeit, berührend, mit einem Hauch Ernst. Schließlich gibt es keine schlichte Läuterung des muffigen Kerls. Auch Wirbelwind Constance wird wieder, um in ihrem Ton zu bleiben, auf die Schnauze fallen. Wunden werden in 99 Minuten nur notdürftig verbunden.

Nun, wie sagte mal der französische Komödiant Coluche: „Lachen ist wie ein Scheibenwischer, es stoppt den Regen nicht, aber es hilft einem, klarer zu sehen“.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.