• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gastbeitrag: Grober Klotz und grober Keil

22.07.2010

DORTMUND Es gibt neutrale Sachbücher, parteiische Polemiken und politische Kampfschriften. Dieses Buch von Michel Brulé ist alles drei. Der Autor von „Die englische Verdrengung“ (IFB Verlag, Paderborn, 181 Seiten, 14,20 Euro) ist Franko-Kanadier und arbeitet als Autor und Verleger in Montreal. Und wie es sich für alle echten Franko-Kanadier zu gehören scheint, hat sich in ihm ein gehöriger Frust gegen die arrogante Selbstverständlichkeit gestaut, mit der englische Muttersprachler weltweit im Allgemeinen und im kanadischen Quebec im Besonderen die Dominanz ihrer Sprache als sozusagen gottgegeben und selbstverständlich anzusehen pflegen.

So existiert etwa nach Brulé die angebliche Zweisprachigkeit in seiner Heimat nur auf dem Papier – von Franko-Kanadiern erwarte man, dass sie Englisch können, aber englische Muttersprachler sprächen kein Französisch. Hier wie anderswo erwarten sie, wie Brulé an zahlreichen Beispielen nachweist, dass man sich ihnen anpasst. Oder kann man sich irgendeine renommierte Universität vorstellen, die von ihren Studierenden nicht die Kenntnisse einer Fremdsprache verlangte? Im englischen Cambridge wurde diese Bedingung vor Kurzem abgeschafft.

Automobil nicht erfunden

Zu den weiteren von Brulé aufgeführten Indizien für diesen Dünkel gehören auch die Weigerung vieler Angelsachsen, das metrische System zu nutzen, die fast schon automatische Gleichsetzung USA = Amerika oder die Unterdrückung franko-kanadischer Leistungen bei der Besiedlung Nord-Amerikas.

So melden etwa fast alle englischsprachigen Lexika das US-amerikanische Jamestown als die älteste Stadt des nordamerikanischen Kontinents, während in Wahrheit der Franzose Samuel de Champlain schon Jahre früher das im heutigen Kanada gelegene Port Royal gegründet hatte. Erinnert das nicht ein wenig an den bekannten Ausspruch von Barack Obama anlässlich seiner Rettung von General Motors Anfang 2008: „Amerika kann es sich nicht leisten, die Automobilindustrie aufzugeben, das Land, in dem das Automobil erfunden wurde.“

Erfunden wurde das Automobil natürlich, wie es jeder außerhalb Amerikas weiß, in Mannheim von Carl Benz (und kurz darauf und unabhängig davon von Gottlieb Daimler in Stuttgart). Bei so viel Arroganz und Ignoranz kann man es nachvollziehen, wenn ein in seinem Stolz verletzter Franko-Kanadier wie Brulé einmal laut und deutlich sagt: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.“

Und dieser Keil ist in der Tat sehr grob. „Angesichts dessen, was ich über die Geschichte der Menschheit weiß, kann ich behaupten, dass die Engländer und die US-Amerikaner die beschränktesten und egozen­trischsten Völker sind, die es je gab!“ Das ist starker Tobak. Und auch an anderen Stellen spart Brulé nicht mit Schlägen unter die Gürtellinie: „Die US-Amerikaner und englischen Kanadier sprechen wie kläffende Hunde und die Briten wie zischende Schlangen.“

Was sich hier Bahn bricht, ist offenbar eine Reaktion auf Demütigungen und intellektuelle Misshandlungen, die Brulé als Franko-Kanadier von seinen englisch sprechenden Landsleuten in seiner Kindheit und während seines Studiums erdulden musste, und die er auch im Buch ausführlich nacherzählt.

Politische Korrektheit

Im französischen Original heißt das Buch „Anglaid“. Das ist ein Kunstwort aus den Bestandteilen Anglais = Englisch und laid = hässlich. Dass Brulé diese beiden Wörter fast schon reflexhaft zusammenzieht, ist nach seinen Erfahrungen kaum verwunderlich. Nicht direkt beteiligte Zeitgenossen müssen diesen Reflex nicht teilen, finden hier aber dennoch eine große Menge wissenswerter Fakten, die ohne das Buch von Brulé wohl nie eine Chance gehabt hätten, in der politisch korrekten deutschen Medienlandschaft präsentiert zu werden.

Nicht umsonst hat daher die Provinzregierung von Quebec die deutsche Übersetzung des Buches großzügig unterstützt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.