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NWZonline.de Nachrichten Kultur

KABARETT: Große Aufregung um kurzen Text

22.12.2008

OLDENBURG „Das ist eine Tonprobe, und keine Party. Können wir uns ein bisschen beeilen? Wir hängen schon 20 Minuten hinter der Zeit“, blafft es leicht angesäuert aus dem Off.

Wie dämlich, dass ich gerade jetzt mein Manuskript mit meinen einzigen sechs Zeilen für diesen Abend verblättert habe. Wie peinlich. Und das, wo mir gerade Sänger Stefan Gwildis in lässigem Räuberzivil über die Schulter schaut, der gleich den Taxifahrer geben soll. Links neben mir steht Kabarettist Alfons, zwar ohne Trainingsjacke und Puschelmikrofon, aber der französische Akzent – unverkennbar. In der Tat, für das „Hörsturz-Live-Hörspiel“ des satirischen Jahresrückblicks hat der Radiosender NDR Info eine eben so bunte wie illustre Truppe zusammengestellt.

Und neben dem Oldenburger Kulturdezernenten Martin Schumacher soll auch ich die regionale Fahne in der Kulturetage hochhalten. Ich habe fertig geblättert. Eilig spreche ich meine Zugansage zum Bahnbörsengang in das Mikro. „Lass dir Zeit mit dem Text“, wirkt Jean-Michel Räber, der heute den Kommissar Harry Stahl spricht, auf mich beruhigend ein. Unterdessen scheppert und bellt Geräuschemacherin Nina Wurman, dass es eine Lust ist.

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„So. Danke! Zweiter Teil“, ruft es aus dem Off. Ich hab’ erstmal frei. Bis die etwa 350 Zuschauer kommen, sind es noch zwei Stunden. Während ich etwas blöde in der Gegend herumstehe, wuselt es um mich herum beträchtlich. Klavierstimmer, Tontechniker, die Jazz-Band – jeder außer mir scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Stefan Gwildis zum Beispiel, probt seinen Gänsehaut-Titel „Anker werfen, Segel setzen“.

Hinter der Bühne ist routinierte Ruhe eingekehrt. Die Hektik der Proben auf der Bühne ist ausgeblendet. Der wortmächtige Gewinner des Kleinkunstpreises 2008, Jochen Malmsheimer, klärt den Musikkabarettisten Hagen Rether über die Qualität der dargebotenen Auswahl an belegten Brötchen auf. Etwas verloren an der Wand lehnt ein einsames Puschelmikrofon. Eine Oase der Ruhe.

Erst gegen 19.15 Uhr wandelt sich das lauschige Idyll wieder in ein betriebsames Gewühl. Moderator Axel Naumer gibt mir letzte Tipps. Organisator und Wochenschau-Zampano Stephan Fritzsche tigert umher. Gwildis rauscht im grauen Anzug vorbei, auch Alfons sieht mit Trainingsjacke wieder aus wie Alfons und greift zum Mikrofon. Die Kanzlerin Angela Merkel, verkörpert von Maria Grund-Scholer, wartet vergeblich vor der verschlossenen Toilettentür. 19.55 Uhr: Der Saal ist rappelvoll. Showtime.

Die Band spielt. Und nun brechen zwei Stunden Songs, Satirereportagen, Wochenschauen, Kabaretteinlagen und eben das Hörspiel auf die Zuschauer herein.

21.24 Uhr: Es ist soweit. Das Hörspiel beginnt. Verdammt, ist das warm hier oben auf der Bühne. Zum Glück sieht man vor lauter Scheinwerfern die Zuschauer kaum, so dass meine Zugansage unfallfrei den Bahnhof verlassen kann.

Das Publikum, von dem Rether und Gwildis nach der Show in höchsten Tönen schwärmen werden, gibt Szenenapplaus. Und ab jetzt heißt es als Zuschauer genießen, wie Rether fast schon hinterhältig arglos mit seinem feinsinnigen Nachtgebet den Zuhörern das Lachen gefrieren lässt. Wie Malmsheimer das Publikum mit urgewaltigen Texten durchschüttelt. Und wie Alfons an der Seitenbühne zu Gwildis’ Songs swingt. Und wie es vor und auf der Bühne längst keine Tonprobe mehr ist, sondern eine große Party.

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