Cloppenburg - Die Kinder sitzen auf gepackten Koffern, in ihrem Kindergarten tropft’s durch die Decke, und trotzdem bewegt sich seit Wochen in Sachen Neubau der St.-Andreas-Kita nichts. Der Grund: Zwischen den Baukosten-Berechnungen des von der Kirchengemeinde beauftragten Architekten Werner Pölking (Dinklage) und den vom Rat beschlossenen Vorgaben der Stadt klafft eine Lücke von 187 466 Euro. So lange dieses Problem nicht geklärt ist, wird sich die Situation wohl auch nicht ändern.
Der Pressesprecher des Offizialats in Vechta, Dr. Ludger Heuer, versuchte am Freitag aus Sicht der Kirchenbehörde Licht ins Dunkle zu bringen. Architekt Pölking – so Heuer – gehe in seinen Berechnungen von 280 Euro Kosten pro umbauten Kubikmeter (m³) aus, die Stadt – auf Basis des Landkreis-Baukostenindexes – nur von 266 Euro.
Das zweite Problem: Die Stadt plant, wiederum auf Basis der Standardberechnungen des Landkreises, für die viergruppige Kita 3918 m³, der Architekt aber 4222 m³ ein. Somit kommt die Stadtverwaltung auf eine Bausumme von 1 567 932 Mio. Euro, die Kirche veranschlagt 1 755 398 Mio. Euro. So erklärt sich die bekannte Differenz von 187 466 Euro. Sollte sich die Stadt daran mit dem bekannten Verteilungsschlüssel von 80 zu 20 beteiligen, bliebe sie auf 150 000 Euro hängen, und das Offizialat „nur“ auf 37 466 Euro.
Dieser stillen Erwartung des Offizialats machte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese am Donnerstag einen Strich durch die Rechnung. Die Stadt werde den Betrag von 150 000 Euro sicherlich nicht komplett übernehmen. Die Grundvoraussetzungen – also der Bau nach den Standardberechnungen des Landkreises – seien von Anfang an klar gewesen. Somit komme lediglich ein Ausgleich für die – während der langen Laufzeit des Antrags – gestiegenen Baukosten in Betracht. Heuer: „Wenn die Stadt sich nicht bewegt, wird es schwierig.“
Im Moment besteht also offenbar nur wenig Hoffnung, dass sich die Vertreter der Stadt, des Offizialats und der Kirchengemeinde bei einem Gespräch am Dienstag, 3. Juni (die NWZ berichtete), über die gemeinsame Beseitigung des Defizits einigen können. In der kommenden Woche ist ein Vorgespräch im Offizialat zwischen Kirche und Architekt geplant.
Sollte der Kindergarten-Neubau bei St. Andreas vor die Wand gefahren werden, könnte die CDU ihren alten Plan wieder herausholen. Demnach könnten in dem geplanten Familienzentrum im heutigen Gebäude der Marien-Hauptschule an der Kirchhofstraße nicht nur Hort und Grundschule, sondern auch Krippe und Kita von St. Andreas untergebracht werden. Die Eltern haben sich bislang gegen diese Lösung ausgesprochen. Dies will auch das Offizialat berücksichtigen: „Ich gehe davon aus, dass der Kindergarten neu gebaut wird“, so Heuer.
Wie auch immer: In Anbetracht der verfahrenen Situation hat der Stadtelternrat alle Kindertagesstätten im Cloppenburger Stadtgebiet aufgerufen, sich am Montag, 2. Juni, 15 Uhr, für eine Demonstration auf dem LzO-Platz einzufinden. Von hieraus wollen Eltern und Kinder lautstark zum Forum der Kirchengemeinde an der Sevelter Straße und zum Rathaus ziehen.
Derweil ist der Bauantrag für das umzubauende Ausweichquartier Pfarrheim St. Andreas bereits – wie berichtet – von der Stadt positiv beschieden worden. „Ich gehe davon aus, dass die Arbeiten in Kürze beginnen“, so Kirchenprovisor Horst Zapatka.
