Großenkneten/Evergem - Das ist wohl eines der „heißesten“ Wochenenden in der langen Geschichte der Partnerschaft der Gemeinden Großenkneten und Evergem gewesen. Die 26. Begegnung im Zeichen des europäischen Gedankens und der Völkerverständigung in der belgischen 33 000-Einwohner-Kommune wurde von hochsommerlichen Temperaturen begleitet. Da wirkten die Partnerschaftsschals schon etwas deplatziert, doch die Vorsitzende des Kneter Partnerschaftsausschusses, Maria Wübbeler, zeigte sich kurz vor der Abfahrt kreativ. „Fächer mit Evergem und Großenkneten wären doch eine tolle Sache“, schlug sie vor und stieß damit bei den schwitzenden Zuhörern auf breite Zustimmung. So erzählte es Antje Oltmanns, zuständig für die Partnerschaft im Rathaus, unserer Zeitung.
1973 hat es das erste Partnerschaftsfest zwischen Großenkneten und Evergem gegeben, anfänglich mit 250 Teilnehmern aus Großenkneten. Bis 1978 waren die Feste jährlich, seitdem alle zwei Jahre wechselnd in Deutschland oder in Nordbelgien. Zwischenzeitlich war die Zahl der Kneter schon mal auf 80 gesunken, jetzt stieg sie wieder auf 127 an. Das nächste Fest wird im Jahr 2021 in Großenkneten sein – mit Unterstützung des dortigen Bürgervereins.
„Tolles und erlebnisreiches Wochenende“ zeigte sie sich begeistert von den drei Tagen. Nur die Anreise geriet für die 127 Großenkneter etwas holprig. Staus bei Antwerpen und ein Bus zeitweise auf Umwegen sorgten teilweise für bis zu zehn Stunden Fahrt. Dabei waren die Kneter schon gegen 16 Uhr erwartet worden. Nach dem traditionellen Hissen der Flaggen ging es daher sofort zum Empfang in die Halle „De Molen“.
Neulinge dabei
Nur einige schafften es noch vorab, ihre Sachen in die Quartiere zu bringen, so der dritte Bus. Er war komplett mit Jugendlichen und ihren Betreuern besetzt. Jugendfeuerwehr, Gemeindejugendpflege, Messdiener der katholischen Gemeinde und Großenkneter Lovely Faires hatten sich auf den Weg gemacht. Sie weilten in einer Gemeinschaftsunterkunft, ebenso die elf Jagdhornbläser aus Großenkneten/Sager Heide. Hauptsächlich waren die Gäste aber in Privatquartieren untergebracht, alles organisiert von den gastfreundlichen Belgiern. Sie übernahmen auch die Kosten für Essen und Trinken. Die Busse finanziert die Gemeinde Großenkneten.
Nach Spargelcremesuppe und Schweinebraten stand der Freitagabend im Zeichen des Klönens. Viele Kontakte gab es schon von früheren Treffen, aber auch jede Menge erste Begegnungen. Schließlich waren auch einige Großenkneter erstmals mit nach Belgien gefahren, berichtete Oltmanns erfreut.
Der zweite Tag begann sportlich für die Großenkneter. In der Evergem-Sporthalle an der Kapellestraat 75 lernten sie Curve-Bowling kennen, eine landestypische Sportart. Sie erinnert an Bowling. Außerdem standen Hallenfußball und Volleyball an. Die Lovely Fairies des TSV Großenkneten hatten mehrere Auftritte. Sie waren im späteren Verlauf des Tages im Ort unterwegs und zeigten spontan einige Darbietungen.
Mittags stand der Besuch von Gent an. Die Hafenstadt mit rund 250 000 Einwohnern war ein Erlebnis für alle. 50 Kneter erleben sie zusammen mit einem deutschsprachigen Gästeführer. Andere waren auf eigene Faust mit ihren Gastgebern unterwegs oder unternahmen eine Bootstour. „Sehr schön ist es in Gent“, schwärmte Oltmanns.
Beim abendlichen Festessen landeten die Kneter mit ihrem Gastgeschenk einen Volltreffer. Sie hatten von Hubert Krogmann eines der Evergemer Wappentiere, den Eber, aus Holz schnitzen lassen. Vier Männer vom Jagdhornbläserkorps trugen das rund 200 Kilogramm schwere Tier in den Saal mit 220 Gästen. Das Präsent begeisterte die Evergemer. Am Donnerstag wird es bei der Ratssitzung im Saal stehen, wie Oltmanns erfuhr. Künftig soll die Skulptur im Eingang des Rathauses ihren Platz finden, berichtete ihr der Schepen der Gemeinde, Filip Huysman, am Montag in einem Telefonat.
Weiter hatten die Kneter Weinpräsente für Cecile Persyn (Sekretary des Verbroederingscommissies Evergem), Bürgermeister Joeri de Maertelaere und Ronald Snauwaert, Vorsitzender des Verbroederingscomissies, sowie Schepen Filip Huysman dabei. Zudem bekamen sie die neuen T-Shirts des Partnerschaftsausschusses in Blau mit dem Kneter Wappen. Aber auch die Gastgeber hatten etwas in petto. Maria Wübbeler, Bürgermeister Thorsten Schmidtke und Antje Oltmanns erhielten Zeichnungen von Kirche beziehungsweise Windmühle.
In seiner Rede hob Joeri de Maertelaere auf die Veränderungen in Europa ab. Umso wichtiger seien Partnerschaften wie jene zwischen Evergem und Großenkneten, betonte er. Schmidtkes Rede wurde von Eris Gerriets, Mitglied im Partnerschaftsausschuss, gedolmetscht. Er dankte für die große Gastfreundschaft und hob besonders hervor, dass ihm die Beteiligung der Jugend an dem Austausch wichtig sei.
Lange Feier
Nach einer langen Feiernacht folgte am Sonntag eine katholische Messe in der Sint-Christoffelkirche mit dem belgischen Chor Sjaloom, den Jagdhornbläsern sowie Jutta Braun-Burwinkel und Rudolf Wübeler als Lektoren auf Kneter Seite und den Messdienern aus Ahlhorn. Von einem „tollen Miteinander“ in der Messe sprachen die Beteiligten im Anschluss. Ein drittes gemeinsames Essen gab es zu Mittag und dann brachen die Kneter wieder auf. Sieben Stunden später trafen sie in der Heimat ein: erschöpft, aber zufrieden, und „mit vielen unglaublichen Erlebnissen“, so Oltmanns. Dazu die Gewissheit: Diese europäische Partnerschaft lebt.
