Großenkneten - Hoher Besuch bei der evangelisch-lutherischen Gemeinde Großenkneten: Bischof Jan Janssen hat am Sonntagabend den zwölften Gottesdienst seiner Predigtreihe zum Reformationsjubiläum mit Liedern von Martin Luther in der St.-Marien-Kirche gestaltet. Es war das erste Mal, dass er in der Großenkneter Kirche predigte. Er widmete sich dem Lutherlied „Nun freut euch, lieben Christen“ (Evangelisches Gesangbuch 341,1). Die Kirche war bestens besucht. Unter den 200 Zuhörern waren auch auswärtige Gäste.
An dem Gottesdienst in Großenkneten wirkten Pfarrer Dietrich Jaedicke, Lektorin Gabriele Hinrichs, der Kirchenchor unter der Leitung von Lothar Schmincke, der Posaunenchor Großenkneten/Ahlhorn unter der Leitung von Michael Grewe sowie Kreiskantor Thorsten Ahlrichs an der Orgel mit.
Im Anschluss gab es ein Zusammensein im und beim Karkenhus mit Grillen und Salaten, das ebenfalls auf große Resonanz stieß, wie Pfarrerin Christiane Geerken-Thomas berichtete.
Gottesdienstreihe
Janssen hat für seine Gottesdienstreihe 17 Kirchengemeinden ausgewählt, „die sonst nicht so im Zentrum stehen“, heißt es in einer Mitteilung der Oldenburger Landeskirche. Die Gottesdienstreihe zwischen Minsen im Norden und Steinfeld im Süden steht unter dem Motto: „Ein feste Burg – ein frischer Blick“. In den 17 Abendgottesdiensten werden 17 elementare Glaubensthemen entfaltet und mit 17 Liedern Martin Luthers verbunden. Dabei wird jeweils ein Luther-Lied musikalisch durch neue Lieder ergänzt. So war es auch in Großenkneten.
In der Predigt zu „Nun freut euch, lieben Christen“ widmete sich Janssen dem wohl frühesten Lied aus Luthers Feder. Er entfalte „geradezu einen ganzen Reisebericht Jesu – von Gott her zum Menschen hin – mit dem Menschen zu Gott hin – und an der Seite des Menschen auf dem dann nur noch gemeinsamen Weg.“ Es sei eine Einladung für die, die so oft „sauertöpfisch auf die Rechnung schielen und nachzählen“.
„Die Reformation baut neue Brücken zwischen dem Evangelium und unserer Zeitgenossenschaft!“, hob Janssen hervor. Dieses sei an den Begriffen „Übersetzung“, „Befreiung“ und „Wirklichkeitsnähe“ festzumachen. Heute sei es kaum vorstellbar, welche Wucht es hatte, dass Luther das Kirchenlatein hinter sich gelassen und in Glaubensfragen die aktuelle Muttersprache der Menschen zur Anwendung gebracht hatte. „Endlich ließen sich Glaube, Hoffnung, Liebe, auch Fragen und Zweifel über die alten Formeln hinaus überhaupt in den Mund nehmen und selber formulieren“, sagte Janssen.
Zur Muttersprache
Dieses Übersetzen sei harte Arbeit. „Er muss eine Brücke nach der anderen bauen, von einer in die andere Sprache, von einer in die andere Kultur.“ Dieses sei eine Leistung, die etwas ganz anderes sei als bloß Verdeutschung. Darum forderte Janssen in seiner Predigt dazu auf, Menschen, die in unserem Land Zuflucht suchen, Übersetzung anzubieten anstatt nur zu fordern, dass sie gefälligst unsere Sprache zu lernen hätten. Wie gastfreundlich empfänden wir es selbst, wenn Urlaubsorte uns mit deutschen Schildern helfen. „Es wäre in Luthers Sinn, wenn wir die Muttersprache unserer Gäste mehr respektierten“, betonte der Bischof.
