Oldenburg - „Canto General“ ist ein monumentales Oratorium über den Kampf Lateinamerikas gegen den Kolonialismus. Der griechische Komponist Mikis Theodorakis hat darin die Gesänge der Inkas, die Lieder der Anden und die Rhythmen der Tropen mit der Klangwelt der Griechen zu einem kraftvollen und intensiven Werk verbunden. Kann ein überwiegend mit Amateuren besetzter Projektchor dieser großen Kunst gerecht werden? „Ja!“, sagt die Oldenburger Opernsängerin Annekatrin Kupke im Brustton der Überzeugung.
Den Beweis tritt sie am Sonnabend, 19. November, in der Weser-Ems-Halle an: Die am Opernchor des Staatstheaters engagierte Mezzosopranistin wird Theodorakis’ Freiheitshymne mit bis zu 130 Sängerinnen und Sängern auf die Bühne der Kongresshalle bringen.
Packende Klänge
Seit Pfingsten arbeitet der von ihr ins Leben gerufene Projektchor an dem Werk. Was in kleinen Stimmgruppen begonnen hatte, mündete in sechs Probenwochenenden. An diesem Sonnabend und Sonntag findet die fünfte und vorletzte Runde in der Aula der Schule an der Kleiststraße statt – dann ist am 18. November bereits die Generalprobe. Annekatrin Kupke ist davor nicht bange: „Es klingt schon sehr gut.“ Unter der Regie von Dirigent Robert Brüll – er gibt sonst beim Bundschuh-Chor den Takt an – lassen sich die Teilnehmer von den packenden Klängen, mit denen Theodorakis die Verse des chilenischen Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda vertont hat, mitreißen. Das geht auch Kupke so – etwa im Abschnitt „Lautero“, in dem der Lebenslauf eines Helden, der sich gegen die Vorherrschaft der Konquistadoren auflehnte, beschrieben wird: „Wenn ich das singe, muss ich aufpassen, dass ich selber nicht anfange zu weinen.“
Der vom Kampf blutgetränkte Boden wird sich auch in den Farben des Chores widerspiegeln. Die schwarz gekleideten Mitglieder werden mit roten Accessoires auf der Bühne stehen.
Sängersuche per Inserat
Die Klangfülle des Projektchores ist beeindruckend – das belegen alleine die Zahlen: 18 Tenöre (darunter sind auch vier Frauen, die in der hohen männlichen Stimmlage singen können), 21 Bässe, 45 Altisten und 35 Sopranstimmen hat Annekatrin Kupke auf der Liste. Etwa 100 Teilnehmer stammen aus Oldenburg, der Rest kommt aus Bremen, Hamburg, Hannover und Berlin. Es habe sich eine „schöne Chorsolidarität gebildet“, freut sich die Initiatorin. So finden viele der auswärtigen Sänger während der Probenwochenenden Quartier bei Oldenburger Chormitgliedern. An ihrem Ziel, das Oratorium aus 130 Kehlen erklingen zu lassen, hält Kupke fest: An diesem Wochenende sollen Zeitungsannoncen in München, Berlin, Mannheim, Hildesheim, Lüneburg, Bonn und Hannover – also überall dort, wo „Canto General“ schon von Chören aufgeführt worden ist – um Stimmen werben. „Für Kenner reicht es, zur Hauptprobe einzusteigen“, sagt Kupke.
Sie wird zusammen mit Arturo Martin (Bariton) die Solopartien singen. Für die Instrumentierung sorgen zwei Flügel, drei Querflöten, sechs Percussionspieler, vier Gitarren und ein Bouzouki-Spieler. Für das traditionelle griechische Lauteninstrument hat Kupke den Berliner Jannis Zotos gewonnen, der selber schon mit Theodorakis gespielt hat.
„Canto General“ (zu deutsch: Der große Gesang) ist das erste Projekt des im Januar gegründeten Oldenburger Vereins „Kantorka“, der künftig jedes Jahr ein großes Chorwerk zu Gehör bringen will. Theodorakis’ Opus bleibt aber im Repertoire: Am 18. März nächsten Jahres ist der Oldenburger Projektchor in etwas kleinerer Besetzung zu einer Aufführung nach Bielefeld eingeladen. Und in den Herbstferien 2018 soll ein besonderer Höhepunkt folgen: eine Südamerika-Tournee. Mehr Motivation geht nicht.
