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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Großer Spaß auf der „Titanic“ im Staatstheater

29.08.2016

Oldenburg Schlimmstes war zu befürchten. Nämlich deutsches Regiezertrümmerungstheater. Nach der Devise: Man nehme einen Stoff und zerstöre ihn mit viel Spaß und wenig Sinn. Der Mythos der angeblich unsinkbaren Titanic, die 1912 bei Neufundland unterging, bietet sich da an. Doch im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters kam alles anders. Und das war gut so.

„Erinnert, erdacht und erlogen“ haben Robert Gerloff und Jonas Hennicke das Stück „Titanic“. Und da wird schon alles anders. Denn eigentlich ist es kein Stück, eher eine Revue, ein Mix. Da wird gesungen, gesteppt, gehopst. Da wird im Chor gesprochen und gesungen. Da wird Pantomime eingesetzt, Slapstick gespielt, ergötzen Gedichte („John Maynard“), zelebriert man gemeinsam den Hüftschwung. „I am Sailing“ stimmt der Kapitän an, und hinten grinst die Freiheitsstatue von New York. Freilich ramponiert als Totenkopf. Und da haben wir von blöden Sprüchen wie „Der Aal ist kein Käse“ noch gar nicht gesprochen.

Brauchen wir eine Schublade für diese wilde Art von Theater? Nein.

Grob orientiert man sich in etwas mehr als zwei Stunden am Filmschinken mit DiCaprio und Kate Winslet. Sehr grob: Erzählt wird die Geschichte einer Frau (Magdalena Höfner), die sich als Mann der Unterklasse ausgibt, um überhaupt auf den Luxusdampfer zu kommen, wo sie sich in eine unglückliche Oberschichtenfrau verliebt (Diana Ebert).

Die Uraufführung lebt vom abgewandelten Zitat. Da stellt sich der Kapitän (Thomas Lichtenstein) an die Rampe, zwei Schauspieler deuten mit ihren Armen den Bug des Schiffes an. Und Lichtenstein, ein Darsteller mit veritabler Wampe, steht da wie die Winslet im Wind. Lüftchen erzeugen die assistierenden Schauspieler mit leichtem Pusten in die wuseligen Haare Lichtensteins.

Die Uraufführung von „Titanic“ ist voll mit solch wunderbaren, schrägen, klugen Szenen. Alles wird so charmant garniert, dass man jeden Grenzgang ins Alberne verzeiht und genießt – bis zum großen Spaß der letzten Minuten, der hier nicht verraten wird.

Das Ensemble spielt wie aus einem Guss. Neben Höfner, Lichtenstein und Ebert glänzen Agnes Kammerer, Lisa Jopt, Nientje C. Schwabe, Thomas Birklein, Johannes Lange, Maximilian Pekrul und Justine Wiechmann. Die Regie hat – als sei es Boulevardtheater – darauf geachtet, dass es rasend schnell zugeht. Die Choreografie ist einzigartig, die musikalische Gestaltung von Hajo Wiesemann klasse. In dieses Stück könnte man glatt zweimal gehen. Pardon, es ist ja gar kein Stück.


Alle NWZ -Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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Oldenburgisches Staatstheater

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