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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Großes Kino im Staatstheater

01.11.2010

OLDENBURG Das Gefühl, im falschen Film zu sitzen, währt nicht lang. Aber verwirrend ist das zunächst schon: „Kinder des Olymp“ ist ein Filmklassiker von 1945, der eine einzige Hommage an das Theater ist, der im Oldenburgischen Staatstheater als Schauspiel auf die Bühne kommt und sich dort wieder in einen Film verwandelt – mit einem Produzenten, mit Kameras und mehreren Leinwänden. Ein Konzept, das nur deshalb aufgeht, weil das Große Haus saniert wird. Die Dimensionen der Ersatzspielstätte auf dem Fliegerhorst aber bieten ideale Voraussetzungen.

Genussvoll zerhackt

Die Halle 10 hatte Regisseur Klaus Schumacher sofort an die Filmstudios Babelsberg erinnert. Statt wie im Film Theater zu spielen, wird also im Theater ein Film gedreht. Bis zur Pause zerhacken Schumacher und der Videokünstler Jürgen Salzmann genussvoll die Geschichte von vier Männern, die dieselbe Frau lieben, in ihre Einzelteile, und projizieren sie in Großaufnahme auf drei Leinwände. Dabei wechseln sie zwischen Film-Fiktion und Theater-Realität hin und her. Ein Schleudergang, den auch der Produzent – ein herrlich cholerischer Thomas Lichtenstein – als Erfolgsrezept anpreist.

Schumacher und Salzmann nutzen jeden Winkel der ehemaligen Flugzeugwerft: die riesige Bühne als Filmset, der Raum zwischen den Stuhlreihen, die Galerie und selbst die Räume dahinter, in die zwar nicht der Zuschauer, aber die Kamera blicken kann. Und sie zeigen, wie leicht der Zuschauer zu täuschen ist: Eine Begegnung auf einer belebten Straße in Paris mit Bussen und Autos – kein Problem, eine Tête-`-tête im Mondschein unterm Baum – eine Kleinigkeit dank Scheinwerfer und Plastikzweig, eine rappelvolle Kneipe – nichts leichter als das. Mit ein paar Schauspielern, Drehbühne und Hintergrundvideo lässt sich alles suggerieren.

Dass dabei der eigentliche Plot etwas zu kurz kommt, dass man mehr von der Machart als vom Inhalt fasziniert ist – wen stört’s? Nie sah man Oldenburgs Schauspieler so nah und so überlebensgroß. Eben wie im Kino: Eva-Maria Pichler als umschwärmte Garance, die bei aller Schönheit und Eleganz auch noch singen kann, Denis Larisch als scheuer Baptiste, der bedeutsam guckt, aber wenig sprechen darf, Bernhard Hackmann als extrovertierter, flatterhafter Frédérick, der all die Eitelkeiten seines Berufs auf die Bühne bringt, Vincent Doddema (schön schmierig) als krimineller Lacenaire mit poetischen Anwandlungen, Gilbert Mieroph als Graf de Montray, der unterkühlt den seriösen Liebhaber mimt, und Sarah Bauerett (eindringlich als Nathalie, die einzig aufrichtig Liebende), um nur die Hauptfiguren des Ensemblestücks zu nennen.

Platz für alle

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Im zweiten Teil drängt das Schicksal von Garance und Baptiste das große Kino mehr und mehr in den Hintergrund: Sie lieben sich, verlieren einander, kommen wieder zusammen und verlieren einander erneut. Noch ein paar Großaufnahmen und viele Gefühle.

Das Thema entspricht vollkommen seiner Umsetzung, denn letztlich erscheint auch die Liebe nur als Illusion, von der mit allen Mitteln der Illusionskunst – filmischen und theatralischen – erzählt wird. Aber das ausnehmend gut. So gut, dass Beifall und Bravorufe nach zweieinhalb Stunden die Stuhltribünen fast zum Beben brachten. Und noch ein Vorteil der Flugzeughalle: Endlich ist Platz für alle nebeneinander – 16 Darsteller, Statisterie und Regieteam, die sich ganz real und von allen Illusionen befreit ihren Applaus abholen.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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