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Konzert des Projektchores in Bethen („Publikum dankt mit stehenden Ovationen“, NWZ vom 28. März)Das Chorsingen ist wohl eine besondere menschliche Ausdrucksform, der man sich – hat man sie einmal für sich entdeckt – kaum wieder entziehen kann. Da gibt es selbst „Chorreisende“, die sich für viele Konzerte zur Verfügung stellen – Männer als meist unterrepräsentierte Gesangsspezies sind besonders gefragt. Beim Konzert am vergangenen Sonntag verstärkten dementsprechend einige Quakenbrücker und Vechtaer den Cloppenburger Projektchor. Jürgen Löbbecke, Kantor der evangelischen Kirche, präsentierte W.A. Mozarts unvollendete Messe in c-moll in der 2005 durch Robert D. Levin neu ergänzten Fassung.Die Basilika Sankt Marien in Bethen war für das Ereignis zu klein, viele enttäuschte Christen und Musikliebhaber mussten abgewiesen werden, was wieder einmal zeigte, dass eine größere Kirche als Aufführungsort für die Konzertprojekte Jürgen Löbbekes wohl angemessen wäre.
Während der Probenzeit zum Mozartprojekt hatten sich Gabriele und Jürgen Löbbeke die schwierige Aufgabe geteilt, mehr als 70 Laien in musikalische Hochform zu bringen – sie studierte die Frauen-, er die Männerstimmen ein. Die 14 teils sehr komplizierten Chorsätze stellten so hohe Anforderungen, dass noch wenige Tage vor der Aufführung die Versagensangst bei den Sängerinnen und Sängern grassierte.
Als aber dann am Sonnabend erstmals Solostimmen dazukamen, fügte sich unter den begabten Händen des Chorleiters im Laufe von wenigen Probestunden alles zum aufführungsreifen Mozartkonzert: Mit großem Können und Einfühlungsvermögen schaffte Jürgen Löbbeke in kürzester Zeit die intensive Verbindung zwischen Solisten, Chor und Orchester und brachte dieses schöne und für Mozart ungewöhnliche Werk zum wirkungsvollen Klang.
Der begeisterte Applaus des Publikums allerdings wurde auf kuriose Weise abrupt abgebrochen, als der Pastor um Gehör bat: ein Autofahrer aus Vechta müsse unbedingt eine Einfahrt freimachen.
Doris Ostendorf, CloppenburgMitglied des Projektchores
