• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gut feiern hinterm Deich

25.01.2010

WILHELMSHAVEN Das hier ist das ehrwürdige Stadttheater, aber darauf kann das Publikum jetzt leider keine Rücksicht mehr nehmen. Es ist nach zehn, und bei Meta im „Haus Waterkant“ geht das zu dieser Zeit schließlich auch immer so: Die Leute rufen „Zugabe!“ und „Mehr!“, die Band reiht Gassenhauer an Gassenhauer, und hinten an der Theke gibt es Charly für 1,70. „Das ist kein Bahnhof hier“, droht Meta von der Bühne, „wer nichts trinkt, fliegt raus!“

Vorzügliche Band

Grün ist der Deich, blau leuchtet der Himmel. Schafe grasen, zwei gelb-grüne Klischees starren ins Nichts: Ostfriesennerz, Gummistiefel, Wollmütze, in der Hand eine Flasche Jever Pils. „Nu ist sie weg“, murmelt die erste Wollmütze. „Jo“, antwortet die andere; aus dem Off erklingt „Knockin’ On Heaven’s Door“. Meta Rogall, Betreiberin des legendären „Haus Waterkant“, starb im September 1994 mit 59 Jahren an Krebs. Und damit fängt im Stadttheater eine Erfolgsgeschichte an.

Zack, Meta (wunderbar bärbeißig: Angelika Bartsch) klappt den Deich auf. „Ich will den besten Schuppen zwischen Amsterdam und Hamburg“, sagt sie. Der Gartenzwerg fliegt also raus, die Topfpflanze, das Akkordeon, der Mief der jungen Bundesrepublik. Ab jetzt gibt es Gitarren und Rock’n’Roll in Norddeich. „Seid ihr so weit?“, ruft sie ins Publikum. „Jo!“, rufen die Leute, pardon: „Yeah!“ Die vorzügliche Live-Band „Die Schwatten Schatten“ spielt „Good Golly Miss Molly“ und „I Feel Good“, es gibt den ersten Szenenapplaus.

Als im Schlossmuseum zu Jever die unglaublich erfolgreiche Disco-Ausstellung „Break On Through To The Other Side“ immer neue Besucherrekorde vermeldete, stellte Landesbühnen-Intendant Gerhard Hess begeistert fest: So etwas brauchen wir auch. Jetzt gibt es „Meta, Norddeich – Das Rockmusical des Nordens“, das schon vor der ersten Probe zum Kassenschlager wurde. Das liegt natürlich zuvorderst daran, dass „Meta“ regionale Identität bietet, dass sie den Zuschauern eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit ermöglicht.

Doch Autor Peter Schanz hat seine „Meta“ so angelegt, dass sie mehr kann: Im Brackwasser hinterm Deich spiegelt sich die Kulturgeschichte der Bundesrepublik. Da schimpft der Vater „Solange Du die Füße unter meinen Tisch stellst . . .“, da werden Bußgeldbescheide im zackigen „Wochenschau“-Ton verlesen, da macht eine Männergesellschaft Frau Meta den Schuppen dicht. Auf dem Deich gibt es zu viel Schiet, ’tschuldigung: Shit. „Smoke on the Waterkant“, singt der Chor, „beim Feiern hinterm Deich.“ Doch Meta weiß: „Time Is On My Side“, die Zeit ist auf ihrer Seite.

Schlau sind die Songs ausgewählt (musikalische Leitung: Udo Becker), sinnreich ist die Bühne gestaltet (Steffen Lebjedzinski). Regisseur Ingo Putz passt derweil auf, dass zu viel Tiefgang nicht die Hochstimmung gefährdet. Immer wieder bremst er die Handlung aus, um Klamauk auf den Deich zu bringen: den gespielten (Ostfriesen-) Witz. Da kommt es einem fast ungelegen, als die kranke Meta plötzlich am Tropf auf die Bühne wankt.

Himmelfahrt im Strandkorb

Grün ist der Deich, golden lockt der Himmel. Gitarrist Cord Woitschig von den „Schwatten Schatten“ singt Led Zeppelins „Stairway To Heaven“ (und präsentiert sich als bester Sänger des Abends), Meta fährt im Strandkorb zum Himmel. Es gibt stehende Ovationen. Und wieder Rock’n’Roll.

„Man muss sich nicht schämen, wo man herkommt“, sagt Meta. „Aber man muss sich schämen, wenn man nichts verändert.“ Meta Rogall hat dafür gekämpft, dass es in Ordnung ist, einfach mal zwei Stunden Spaß zu haben.

Genau darum geht es bei „Meta, Norddeich“.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

Weitere Nachrichten:

Stadttheater

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.