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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gut wie ein einfaches Wiener Schnitzel

22.11.2012

Oldenburg So ein schlichtes einfaches Schnitzel ist wie ein gutes Theaterstück: Mit wenigen, aber den richtigen Zutaten zubereitet, kann es ein Erlebnis sein, ja ein Genuss, so dass man meinen könnte, noch nie etwas derart Gutes auf dem Teller gehabt zu haben. Ein solches Ausnahme-Schnitzel, um im Bild zu bleiben, ist „Indien“ – sowohl das Stück als auch seine Oldenburger Inszenierung. Einfach nur gut.

Armee von Bleistiften

Als Schauplatz und Spielort des brutal komischen Kammerspiels von Joseph Hader, dem österreichischen Kabarettisten, und Alfred Dorfer wurde die Bar der Exerzierhalle ausgewählt. Die ungewöhnliche Bühne für leider nur 50 eher unbequeme Zuschauerplätze passt perfekt, denn Heinzi Bösel und Kurtl Fellner reisen im Auftrag der niederösterreichischen Landesregierung durch die Provinz, um Gasthäuser zu testen und zu kontrollieren – Zimmer, Toiletten, Speisekarten und natürlich Wiener Schnitzel.

Während der eine schon mal geneigt ist, ein Auge zuzudrücken, wenn ein Fläschchen Fusel über die Theke zu ihm wandert, sortiert der andere peinlich genau eine Armee von Bleistiften – hier der trinkfeste Primitivling (Thomas Birklein), der schon zum Frühstück sein erstes Schnitzel verdrückt und klingt, als stamme er direkt aus einem alpenländischem Heimatfilm, dort der schmallippige, preußische Beamte (Klaas Schramm), der politisch völlig unkorrekt über Indien schwadroniert und dem jede Ausschweifung fern liegt. Natürlich kann er sich auch amüsieren, „im Fasching, wo der Humor erwacht“. Überzeugender, treffender hätte man diese beiden Typen nicht spielen können.

Liebevolle Details

Dass mit dieser Kombination das gemeinsame Reisen nicht ohne Konflikte abgeht, versteht sich von selbst. Hader befleißigt sich dazu einer mitunter brachialen Wortwahl, die Norddeutschen schon einiges abverlangt und für Zartbesaitete nicht unbedingt geeignet ist. Dafür sind die Dialoge, aber auch die Momente, in denen die Mauern der Zivilisation zu bröckeln beginnen, derart „echt“, dass schon nach wenigen Minuten das Gefühl schwindet, in einem Theaterstück zu sitzen.

Das ist vor allem dem Spielort zu verdanken, der sich durch den Austausch von liebevollen Details auf der Reise über Kirchstätt und Schwammelhofen verändert (Ausstattung: Brix Quellmalz): Von Ort zu Ort wird ein anderes Hirschgeweih aufgehängt und der Preis fürs Schnitzel inflationär angepasst. Nur der Wirt (winzige Rolle, bestmögliche Wirkung: René Schack) erscheint als feste Größe.

Auf Tragik umgeschaltet

Zu verdanken ist es aber auch Thomas Renner, der als Regisseur eine überaus seltene Gabe besitzt: Er hat den Mut, Pausen einzulegen und seinen herausragenden Darstellern Zeit zu lassen. Minutenlang lässt er Heinzi sprachlos, verblüfft und etwas deppert seinen Kollegen Kurtl anstarren. Nur um wenig später beim „Schnapsen“ – bei dem Heinzi triumphierend die Karten austeilt und schamlos abräumt – das Tempo wieder anzuziehen.

Hätten Hader und Dorfer ihr 90-Minuten-Stück auf diese Komik beschränkt, hätten sie auch gleich ein Kabarett daraus machen können. So aber schalten sie gegen Ende unauffällig auf Tragik um: Kurtl ist todkrank und kommt ins Krankenhaus (flugs in der Bar installiert), wo sich zeigt, was wahre Freundschaft ist. Und wie ein tolles Stück über das Wesentliche im Leben toll enden kann.

Karten: t 0441/22 25 111

Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/theater 
Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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