Oldenburg - Natürlich wäre bei einem Unfall, auch bei einem kleinen häuslichen, körperliche Abwesenheit besser als Geistesgegenwart. Doch Oldenburgs Generalintendant Christian Firmbach war persönlich anwesend, als er sich beim Gemüsehobeln in einen Finger gesäbelt hat. Doch da ließ er seine Geistesgegenwart zum Zuge kommen: Er hat wenigstens den zur Werbung wichtigsten Finger ins Messer gelenkt.

„Es hat den Ringfinger erwischt”, erklärt er jetzt in den beiden Neujahrskonzerten im zweimal bis zu den Stehplätzen ausverkauften Großen Haus die bandagierte Hand. Folglich hält Firmbach gleich das Großprojekt am Kochen: „2017 wird in Oldenburg zum Jahr des Rings!“ Da beginnt Wagners „Ring des Nibelungen” mit dem „Rheingold” im Februar und der „Walküre” im September.

Doch erst einmal lassen es Generalmusikdirektor Hendrik Vestmann, das Staatsorchester und das Gesangsensemble unwagnerisch locker angehen. Wobei: Locker hebt gar nichts an.

Die Verve des fünften Ungarischen Tanzes von Johannes Brahms würde jeden ungarischen Reiter ins Gras der Puszta strecken. Feurig und prickelnd bleibt es zwei und eine halbe Stunde lang, bei „Csárdás und Champagner”.

Einschlägige Komponisten wie Vittorio Monti, Jacob Gade oder Paul Abraham stehen im Programm mit 17 Miniaturen (vor Zugaben). Aber auch Jean Sibelius oder Carl Nielsen sind am optimistischen Schwungholen beteiligt. Leroy Anderson streut sogar virtuoses Schreibmaschinen-Klappern ein.

Das ist ein Kabinettstück für Schlagzeuger Moritz Weller. Konzertmeister Lev Gelbard glänzt als „Teufelsgeiger Levius Gelbardus“. Und wenn die Horngruppe singt und rappt, wenn die hohen Streicher eine La-Ola-Welle hinzaubern, dann schwappt die Stimmung hoch.

Das Gesangsensemble stürzt sich in Operetten von Emmerich Kálman. Sarah Tuttle verkörpert die leibhaftige gute Laune. Martyna Cymerman kombiniert Fröhlichkeit mit Hintergründigkeit. Paul Brady gibt sich so umwerfend, wie ihn seine Fans kennen.

Philipp Kapeller zaubert sein Augenzwinkern bis in seine Stimme hinein. Und in Timo Schabel hat das Haus einen weiteren Tenor mit anheimelndem Timbre.

In Wien hat Gustavo Dudamel (35) gesagt, er könne jetzt in Frieden sterben, weil er dort das Neujahrskonzert dirigiert habe. In Oldenburg darf man davon ausgehen, dass Vestmann (42) nun nicht gleich seine Verfügungen für den Ablebensfall zusammenstellt. Es geht hier zwar ebenso konzentriert zu, aber auch unverkrampfter.

Die Wiener im Fernsehen? Nett. Aber selbst dabei zu sein in Oldenburg, heißt eben direkt dabei.