Haarentor - Tagelang herrschte Aufregung im Seniorenzentrum Haarentor, nachdem Fotografin Marlies Menger angekündigt wurde, um in der diakonischen Einrichtung mit den Senioren 14 Bilder für einen Jahreskalender zu machen. Die waren von der Idee sofort begeistert. Die Damen gingen zum Friseur und alle ließen sich bei der Kleiderauswahl von den Pflegekräften beraten. Denn es soll ein besonderer Kalender werden: Passend zu den Jahreszeiten sollen Tätigkeiten dargestellt werden, die den Senioren seit ihrer Kindheit vertraut sind.
Grete Hünnekens will zunächst vom Strickzeug für das Novemberbild nichts wissen. „Ich bin doch schon 103 Jahre alt“, sagt sie. Wenig später aber hat sie einen angefangenen Schal in der Hand und wickelt sich den Faden gekonnt um den Finger.
Vorher gab es das Herbstfoto im Garten. Einrichtungsleiterin Hilke Wulf hatte einen alten Deutz-Trecker als Hintergrund für zwei Herren aus dem Wohnbereich Sonnenhügel organisiert. „Ich hab als Kind die jungen Ferkel angenommen,“ erzählt Hans-Joachim Cordes. Kurt Bohmann berichtet, wie er mit einer kleinen Nebenerwerbslandwirtschaft sieben Kinder groß gezogen hat.
Im Seniorenzentrum wird oft auf alte hauswirtschaftliche Tätigkeiten zurück geblickt. Denn auf solchen Erlebnissen und Erfahrungen fußt Alterszufriedenheit, erklärt Wulf. Wer über viele Jahre regelmäßig lange Vorratsregale mit Eingemachtem, selbst Gesammeltem und Angebautem gefüllt hat, der weiß, was er geschafft hat. Die Erinnerung daran ist beständig. So mag es auch Johanna Pyrok ergangen sein. Kaum sind die Bohnen auf dem Tisch und das Küchenmesser in Reichweite, beginnt sie zu schnippeln. Vielen Bewohnern sind die Abläufe noch so vertraut, dass auch Menschen, die sich sonst nur noch an wenig erinnern, sofort bei der Sache sind.
„Vielen merkt man gleich die Zufriedenheit an, wenn sie an solchen Tätigkeiten teilhaben können“, erklärt Hilke Wulf. Für die Fotoaktion hatte sie zusammen mit den Mitarbeitern im Seniorenzentrum hunderte Requisiten und stilechte Accessoires gesammelt. So wird jedes Bild zu einer kleinen Zeitreise für die Bewohner und für die Betrachter gibt es viel zu entdecken. So spielt etwa ein anderes Motiv in der hauseigenen Wäscherei. An Leinen hängen historische Wäschestücke und an der alten Mangel wird gebügelt. Hier wird besonders deutlich, welche Entwicklung das Wäschewaschen genommen hat: Vom Holzzuber mit Waschbrett zur Waschmaschine und vom Kohle beheizten Plätteisen zum elektrischen Bügeleisen. Die Seniorinnen konnten die verschiedenen Stoffe auf Anhieb unterscheiden. Denn die heute üblichen Inhalts- und Pflegeetiketten gab es früher noch nicht.
Und weil auch auch das Feiern zum Alltag gehört, wurde es ebenfalls in einigen Motiven dargestellt. So wird etwa eine Erntekrone gebunden, ein Maibaum gesetzt, Plätzchen gebacken und die Senioren genießen zusammen mit Enkeln Kaffee und Kuchen vor der Kamera.
Alles Aktuelle für Senioren im Nordwesten lesen Sie in unserem Senioren-Spezial
