von Gerret von Nordheim
Frage:
Herr Kubatta, feiern sie Halloween oder den Reformationstag?Kubatta:
(lacht) Als evangelischer Christ feiere ich natürlich den Reformationstag. Halloween käme schon deswegen nicht für mich infrage, weil es kein evangelisches, nicht einmal ein kirchliches Fest ist.Frage:
Feiern auch Ihre Kinder kein Halloween?Kubatta:
Nein, auch meine Kinder feiern kein Halloween und ich glaube nicht, dass sie damit allein sind. Im Gegenteil kommt es mir so vor, als ob Halloween in der Vareler Innenstadt nicht besonders präsent wäre. Obwohl groß in den Medien dafür geworben wurde – es ist meines Erachtens nichts weiter als eine Modeerscheinung, die sich offensichtlich nicht etablieren kann.Frage:
Also keine Konkurrenz?Kubatta:
Schon alleine deswegen nicht, weil es thematisch nichts miteinander zutun hat. Halloween ist ein diffuser Geisterglaube, der die Menschen mehr verunsichert, als dass er ihnen hilft. Der Reformationstag auf der anderen Seite ist ein historischer Gedenktag, der auf den Kern des evangelischen Glaubens hindeutet und an dem – mehr noch als anderen Sonntagen – die christliche Botschaft verkündet wird: Der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, was er leistet, sondern dass er von Anfang an von Gott geliebt ist, angenommen ist und sich nicht beweisen muss.Frage:
Was wird bei Ihnen an diesem Feiertag anders sein als an normalen Sonntagen?Kubatta:
Die Messe um 19 Uhr wird kein gewöhnlicher Gottesdienst, sondern eine Mischung aus Wort und Musik, eine Andacht mit Barock-Konzert. Musik ist auch etwas, was aus Martin Luthers Sicht unbedingt zum Glauben dazugehört, weil es den Menschen fröhlich macht, ihn öffnet. Musik ist bei Luther ein Fenster zum Himmel. Denken Sie an Mendelssohns „Reformationssinfonie!“ Es gibt viele Wege, um das Reformationsfest zu begehen. In meiner Predigt werde ich meine Gedanken zu einem Reformationslied von Luther zum Ausdruck bringen.Frage:
Und was machen Sie, wenn am Nachmittag doch ein verkleidetes Kind bei Ihnen klingelt?Kubatta:
Darauf wäre ich ehrlich gesagt nicht vorbereitet, ich müsste das Kind wohl enttäuschen. Aber ich würde ihm selbstverständlich auf meiner Türschwelle auch keine Belehrung zuteil werden lassen. Meinen eigenen Kindern sage ich jedoch: „Haltet Euch besser davon fern – Karneval ist eh viel schöner.“Martin Kubatta ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde. An diesem Freitag hält er die Predigt zum Reformationstag.
