Hamburg - Da ist die Elbphilharmonie als einzigartiger Spielort und die Blohm+Voss-Werft als wunderbare Kulisse, was das Elbjazz-Festival in Hamburg an diesem Freitag und Samstag schon allein zu einem Kulturereignis macht. Zudem kann der Weg auf die andere Flussseite launig mit der Hafenbarkasse oder abenteuerlich durch den Alten Elbtunnel bewältigt werden.

Am Ort des Geschehens warten in Michael Wollny, Jamie Cullum, Julia Hülsmann, Joja Wendt, Randy Brecker, Manu Katché, Benny Golson und den Towers of Power auch wirklich große Namen des Geschäfts. Und wer will, kann auf dem urbanen Industriegelände so viel „Streetfood“ essen und „Craft Beer“ trinken, bis er umfällt. Zugegeben: So viel Lametta wie Hamburg hatte die Messe „Jazzahead“ vor vier Wochen in Bremen nicht zu bieten, dafür kennt man dort einander bestens – und Werder kann besser Fußball spielen.

Doch Elbjazz ist mitnichten ein Anlass für verwöhnte Hanseatenschnösel. Dafür sorgt schon das gut tarierte Programm an beiden Tagen. Das wurde von Veranstalterlegende Karsten Jahnke zusammengestellt und lässt hoffnungsvolle Talente im Fahrwasser großer Jazz-Dampfer schippern.

An Bord ist eine gelungene Mischung aus gestandenen nationalen und internationalen Größen zu finden, aber auch junge aufstrebende Bands. So findet sich die NDR Bigband mit Trompeter Randy Brecker genauso auf der Hauptbühne wie die junge Truppe Toytoy, die das Hip-Hop-Album „Bambule“ der Hamburger Formation Beginner in eigenen Arrangements spielen wird. Empfehlenswert sind zudem die Auftritte des Nordsnø Ensembles sowie ADHD, Koloro und des israelischen Jazztrios Shalosh.

Sehr präsent ist diesmal Julia Hülsmann. Der wichtigsten deutschen Künstlerin in Diensten des renommierten Jazz-Labels ECM war die Ehre angetragen worden, in diesem Jahr „Artist in Residence“ des Elbjazz zu sein. Die Pianistin engagiert sich neben ihren vielen musikalischen Aktivitäten auf der Bühne und im Studio als Vorsitzende der Union Deutscher Jazzmusiker für bessere Arbeitsbedingungen in der Branche. In Hamburg hat sie deshalb die Pflicht, an zwei Tagen dreimal aufzutreten – im Quintett in der „Elphi“, im Duo mit Christopher Dell sowie mit geballter Frauen-Power in einem Oktett.

Acht Spielstätten machen das Festival in Hamburg omnipräsent: Ob in der Elbphilharmonie, auf dem Werftgelände, in der Katharinenkirche oder auf der MS Stubnitz – der ganze Hafen wird bespielt. Dieses spezielle Ambiente ist für den künstlerischen Leiter Jahnke eine entscheidende Zutat für den Erfolg des Festivals und mache es, so findet er, zu einem Muss für jeden Musikfan. „Selbst, wenn du keinen Jazz liebst, hast du allein einen optischen Hochgenuss, weil du mitten im Hafen bist“, sagt Jahnke. „Du gehst um die Ecke, dann kommt da ein Riesen-Containerschiff und du kannst praktisch aufsteigen. Alles zusammen macht den Reiz dieses Festivals aus.“

Karten gibt es online und unter t  040/413 22 60. Ein Festivalpass (31. Mai und 1. Juni) kostet 99 Euro€. Der Tagespass für Freitag kostet 55 Euro€, der für Samstag 69 Euro€ (alle Ticketpreise inkl. Gebühren). Der Zugang zum Großen Saal der Elbphilharmonie ist darin nicht enthalten.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)