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Hörfunk Fernweh schon beim Frühstück

Oliver Bloch

HAMBURG - Riviera, Costa Brava oder Karibik scheinen unerreichbar. Von fremden Ländern können die Deutschen Anfang der 50er Jahre nur träumen. An einen Urlaub ist nicht zu denken, das Geld sitzt knapp. Dennoch greift in den Nachkriegsjahren das Fernweh um sich. Ein wenig Linderung verschafft das Radio. Am 16. Mai 1951 startet der damalige Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) sein Reisemagazin „Zwischen Hamburg und Haiti“. Das Radio-Urgestein existiert bis heute.

Ohrwurm stand Pate

An ihren Geräten lauschen die Hörer beim Sonntagsfrühstück noch immer den Geschichten aus der Ferne. Namenspate der Sendung ist ein Hans-Albers-Ohrwurm. „Zwischen Hamburg und Haiti, da schwimmt die große Liebe“, sang das Hamburger Original einst und eroberte die Herzen der Menschen. „Kaum einer wusste, wie es dort aussieht, aber man hielt Haiti für das Paradies auf Erden“, erläutert Redakteur Wolfgang Heinemann und warnt vor falschen Erwartungen: „Wir waren und sind kein Tourismus-Magazin mit Reisetipps, sondern erzählen Geschichten von Land und Leuten.“ Der Hirte in der Mongolei kann dabei ebenso Thema sein wie der Winzer im Elsass oder die Fischerin vom Bodensee. Die gibt es übrigens wirklich, nicht nur im Schnulzenschlager, erfährt der Hörer. Und auch dem Namensgeber Haiti, einem durch Armut, Erdbeben und politische Instabilität gebeutelten Land, widmet die Redaktion am 8. Mai einen Sonderbeitrag.

Dass sich der Tourismus seit 1951 extrem gewandelt hat, steht außer Frage. In den 60er Jahren zuckeln die ersten Urlauber mit Sack und Pack über die Alpen. Etwas später entdecken die Deutschen Mallorca, der Massentourismus tritt seinen Siegeszug an. „Über die Veränderungen des Reisens berichten wir selbstverständlich auch“, sagt Heinemann. „Die Deutschen sind darin schließlich Weltmeister.“

Dass sich die Sendung 60 Jahre gehalten hat, überrascht den Redakteur daher nicht. Und auch die Bilderflut der digitalen Welt, mache sie nicht überflüssig, findet NDR-Programmdirektor Joachim Knuth: „Das Radio verfügt immer noch über die Kraft, Menschen zu ent- und zu verführen, sie mit auf die Reise zu nehmen.“

Akustische Postkarten

Die Hörer mögen die spannenden Reportagen, Porträts und Features. Seit Generationen kommen die „akustischen Postkarten“ gut an. So berichtet eine NDR-Hörerin im Internet unter der Rubrik „Erinnerungen“, dass sich ihr Sohn auch dank der Sendung zu einem Globetrotter entwickelt habe: „Als Kind hat er den Nachrichtensprecher imitiert und einen Stau verkündet – zwischen Hamburg und Haiti.“

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