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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Autoren (und Autorinnen) uneins übers Gendern

08.06.2018

Hamburg Deutschsprachige Autorinnen und Autoren sind sich über die Verwendung geschlechtergerechter Schreibung uneins. „Den Anspruch, Geschlechtergerechtigkeit mit einem grafischen Zeichen festzulegen und ein für alle Mal abzuhaken, halte ich jenseits der Bürokratie für falsch und absolut literaturfern“, schrieb die österreichische Schriftstellerin Kathrin Röggla in einer Umfrage der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Die deutsche Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff erklärte: „Ich verwende keine gendergerechte Sprache, weil der ganze Quatsch entsetzlich aussieht und bürokratische Ungeheuer gebiert, die den Lesefluss stören.“ Dagegen schrieb der deutsche Autor Thomas Meinecke: „Ja, ich verfasse meine Texte unter freiwilliger Selbstkontrolle (und durchaus lustvoll) im Sinne einer zu erlangenden Geschlechtergerechtigkeit, die nach Jahrhunderten gemeiner Benachteiligung von Frauen jetzt gern und auf unbestimmte Zeit auch mal zuungunsten der Männer ausfallen darf.“

Eigentlich nur störend

Die deutsche Dramatikerin und Romanautorin Sasha Marianna Salzmann äußerte: „Alle Varianten der sogenannten geschlechtergerechten Sprache interessieren mich. ... Sprache ist unser aller Spiegel, sie zeigt, wer wir sein wollen und wie wir zueinander stehen.“

Der deutsche Lyriker Durs Grünbein hält das Binnen-I in Gedichten für deplatziert. „Auch Sternchen und Unterstriche würden nur stören – es sei denn in ausdrücklich dadaistischer Absicht oder aus Gründen der Verfremdung.“ Eine klare Position vertritt die Österreicherin Eva Menasse: „Ich werde niemals gender-„gerecht“, niemals nach der neuen Rechtschreibung, nicht nach dem Duden oder dem Österreichischen Wörterbuch schreiben, ich werde immer ungerecht, subjektiv, stur und nach meiner eigenen Façon schreiben.“ – In Wien berät am Freitag der Rat für deutsche Rechtschreibung über geschlechtergerechte Schreibung.

Mitgliederinnen

Eine eindeutige Haltung nimmt indes der Verein Deutsche Sprache (VDS) in Dortmund ein. Nur wenige Deutsche und Deutschlerner könnten mit dem Begriff Gendern etwas anfangen, sagt der Verein. Zur Leipziger Buchmesse kritisierte Eckhard Kuhla, Sprecher der Arbeitsgruppe (AG) Gendersprache des VDS, den frischen sogenannten Gender-Duden: „Seit jeher schätzen die Deutschen ihren Duden als Ratgeber für gutes Deutsch, für Rechtschreibung und Grammatik. Der Gender-Duden dagegen will ihnen neuerdings sagen, wie man die deutsche Sprache ‚richtig gendert‘.“

Es sei kaum nachzuvollziehen, warum sich der Duden nun den Sprachnormen einer Minderheit von ideologisierten Sprachmoralisten füge. „Sollen wir nun von Auto Fahrenden statt Autofahrern, Trinkenden statt Trinkern oder Mitgliederinnen statt Mitgliedern sprechen?“, fragte Kuhla. In Kirche, Politik und Sport sei sogar schon von Götterinnen, Mikrofon*Innen, Vorbilderinnen, Polizist_Innen oder einer Computa und ähnlich fragwürdigen Wortverhunzungen die Rede.

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