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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Architektur: Aus Nazi-Gebäuden werden Luxus-Oasen

13.08.2020

Hamburg /München /Binz „Vorne NS-Monumentalbau, hinten schicke Wohnungen. Das wird dem Bau in jeglicher Hinsicht nicht gerecht“, sagt der Architekturkritiker Ralph Lange über einen denkmalgeschützten Nazibau in Hamburgs Villenviertel Harvestehude. Das ehemalige Wehrmachtsgebäude wurde vor einigen Jahren zur Luxus-Wohnanlage umgebaut. In Anbetracht der Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg „hätte man sich mehr historische Sensibilität und Verantwortung gewünscht“, findet Lange.

Das „Sophienpalais“ in Hamburg

Von vorn wirkt der 1936 errichtete Militärbau mit seinen meterhohen Pfeilern am Eingang und zwei großen Adlern auf dem Dach wie ein Fremdkörper zwischen Designerhäusern und Patriziervillen. 2006 verkaufte der Bund das Gebäude an die private Frankonia Eurobau.

Mit Zustimmung des Denkmalschutzamtes ließ das Unternehmen Teile des Gebäudes – wie etwa die Rückfassade – abreißen und neu bauen. Heute heißt das Gebäude „Sophienpalais“ und beinhaltet nach Angaben von Frankonia neben 105 Luxuswohnungen auch vier Saunen und einen Fitnessbereich. Von der Geschichte des Gebäudes als Standortkommandantur der Wehrmacht sind unter anderem die Frontfassade und eine Gedenktafel am Eingang geblieben.

Der „Koloss von Rügen“ bei Binz

Auch auf der beliebten Ostsee-Insel Rügen hat ein Baudenkmal mit Nazi-Vergangenheit einen Wandel zur Wohlfühl-oase vollzogen. Im Ortsteil Prora der Gemeinde Binz steht der zwischen 1936 und 1939 erbaute „Koloss von Rügen“ – ein 2,5 Kilometer langer Betonriegel. Er besteht aus fünf denkmalgeschützten Blöcken, die allesamt nach und nach an private Investoren verkauft wurden, die dort Hotels und Ferienwohnungen errichten ließen.

Christian Dinse, der in einem von zwei Dokumentationszentren in dem Monumentalbau arbeitet, findet, dass die Leidensgeschichten hinter dem Gebäude ausgeblendet würden. „Hier mussten Menschen, vor allem aus Osteuropa, während des Krieges Zwangsarbeit leisten. Hier wurden Polizeibataillone ausgebildet, die später an Deportationen von Juden in Vernichtungslager beteiligt waren oder auch Kriegsverbrechen in der Sowjetunion oder Griechenland verübt haben.“ All dem werde in Prora zu wenig Rechnung getragen.

Nazi-Bunker in München-Schwabing

In München-Schwabing steht ein denkmalgeschützter Nazi-Bunker, der eine ungewöhnliche Metamorphose zum exklusiven Büro- und Apartmenthaus vollzogen hat. Investor Stefan Höglmaier kaufte den Bau vor einigen Jahren, um ihn aufwendig zu sanieren. Unter anderem ließ er Fenster in die zwei Meter dicken Mauern schneiden. Die Geschichte des Gebäudes sei bis in die Wohnungen hinein allgegenwärtig, sagt Högl- maier.

Der richtige Umgang mit Baudenkmälern aus der Zeit des Nationalsozialismus hängt laut Architekturkritiker Ralph Lange immer von den Umständen ihrer Entstehung und ihrer Nutzung in der NS-Zeit ab. „Es gibt somit eine große Bandbreite, die sich zwischen relativ unkritischer Weiternutzung und der Umwandlung in ein Mahnmal oder Dokumentationszentrum erstreckt“, so Lange.

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