HAMBURG - Für die Fernsehzuschauer waren die Situationen fast unerträglich komisch. Etwa, als Loriot dem Fräulein Hildegard mit einer durchs Gesicht wandernden Nudel seine Liebe gestehen will und alle Versuche der Angebeteten, ihn darauf aufmerksam zu machen, mit einem „Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard“ zurückweist. Oder als die Fernsehansagerin am englischen „th“ in Zungenbrechern wie „Lord und Lady Hesketh-Fortescue, Besitzer des Landsitzes North-Cothelstone Hall“ schier verrückt zu werden droht.

Evelyn Hamann machte diese Szenen zu komödiantischen Klassikern. Auch mit anderen Rollen spielte sich die im Alter von 65 Jahren Verstorbene in die Riege der großen Schauspielerinnen in Deutschland.

Ursprünglich wollte Vicco von Bülow Hamann gar nicht als seine Partnerin verpflichten, sie war ihm schlichtweg zu dünn. Doch obwohl sich die Schauspielerin weigerte, sich mit von Loriot spendierten Schweinshaxen zum eigentlich erwünschten Pummelchen mästen zu lassen, bekam sie die Rolle. Grund war das große Potenzial, das ihr Förderer an ihr ausmachte. „Bei aller gebotenen Bescheidenheit: Ohne das nötige Talent hätte der mich auch nicht genommen“, sagte Hamann später.

Die hanseatische Kühle, die Hamann ihr Leben lang umgab, prägte auch ihre Figuren in den Sketchen mit Loriot. Am 6. August 1942 wurde die Tochter des NDR-Konzertmeisters Bernhard Hamann in Hamburg geboren. Dort absolvierte sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auch ihre schauspielerische Ausbildung. „Von der Pike auf“ habe sie ihr Handwerk gelernt, sagte Hamann später.

An Bühnen in Hamburg, Göttingen, Heidelberg und Bremen hatte sie Engagements – bis zur Begegnung mit Loriot. Sechs Folgen drehte die ARD zwischen 1976 und 1979 von der Loriot-Serie. Sie reichten, um zum Dauerbrenner zu werden: Außer dem Nudel-Sketch und der Fernsehansagerin ist besonders Frau Hoppenstedt in Erinnerung, die als Hausfrau zur Selbstverwirklichung ein Jodel-Diplom macht: „Dann habe ich wirklich was eigenes“.

Neben den zwei Loriot-Kinofilmen „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“ spielte Hamann unter anderem in der ZDF-Serie „Das Traumschiff“ und „Schwarzwaldklinik“ sowie in vielen Folgen der Krimi-Serien „Der Alte“ und „Tatort“. Eine ganz eigene Figur wurde ihre Hauptrolle der Krimi-Reihe „Adelheid und ihre Mörder“, die im Schnitt sechs Millionen Menschen sahen. Hamann konnte darin noch einmal ihr Credo zeigen: „Komik ist genaue, die eigenen Mittel immer weiter hinterfragende Arbeit mit der Liebe zum Detail.“

Doch so präsent sie auf dem Bildschirm war, so abgeschottet lebte sie ihr Privatleben. Interviews gab sie selten. Zwischen Weihnachten und Neujahr 2006 musste sie nach den Worten ihres Managers erkennen, dass sie unheilbar krank ist. Die Schauspielerin verbrachte ihre letzten Monate mit ihrem Lebensgefährten. In der Nacht zum Montag starb sie in einem Krankenhaus.