Hamburg/New York - Der mit 50 000 Euro dotierte Siegfried- Lenz-Preis geht in diesem Jahr an den US-amerikanischen Erzähler Richard Ford („Der Sportreporter“). Ford zeige sich als ein Meister der Beobachtung und der Beschreibungskunst, teilte die Lenz-Stiftung am Donnerstag mit.
Alle zwei Jahre verliehen
Der 74-Jährige sei einer der bedeutendsten Erzähler Amerikas. Ford hatte für seinen Roman „Unabhängigkeitstag“ 1996 sowohl den Pulitzer-Preis als auch den PEN/Faulkner-Award erhalten. Er ist der dritte Lenz-Preisträger nach dem israelischen Schriftsteller Amos Oz und dem englischen Autor Julian Barnes.
Die Auszeichnung erinnert an den Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz (1926– 2014, „Deutschstunde“), sie wird alle zwei Jahre verliehen. Die Preisübergabe soll am 28. September im Hamburger Rathaus erfolgen. Der Preis wird dann vom Ersten Bürgermeister der Hansestadt und der Lenz-Stiftung überreicht. Am Vorabend der Preisverleihung, am 27. September, wird Ford dann Gast sein im Hamburger Thalia-Theater.
Er sei begeistert und nehme mit Demut einen Preis an, der Siegfried Lenz würdige, wird Ford von der Lenz-Stiftung zitiert: „Das ist eine wertvolle Anerkennung für meine Bücher und für mich.“
Siegfried Lenz zählt bis heute zu den größten Schriftstellern deutscher Sprache. Sein Werk ist inzwischen in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Für seine 14 Romane, zahlreiche Novellen, Hörspiele und Dramen umfassendes Werk wurde er mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.
Siegfried Lenz lebte seit 1951 in Hamburg (erst kürzlich wurde dort sein Wohnhaus verkauft und abgerissen) und veröffentlichte seine Bücher von Beginn an im Hamburger Hoffmann und Campe Verlag.
„Brot und Spiele“
Siegfried Lenz ist gebürtiger Ostpreuße. Er wurde am 17. März 1926 in Lyck als Sohn eines Zollbeamten geboren. Mit nur 17 Jahren musste er im Zweiten Weltkrieg zur Kriegsmarine. Mühsam rettete er sich von der sinkenden „Admiral Scheer“ in der Ostsee. Im besetzten Dänemark desertierte er.
Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Lenz zunächst in Hamburg die Fächer Anglistik und Literaturwissenschaft. Ein Volontariat bei der „Welt“ brachte ihn zur Schriftstellerei. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Erzählungen und Romane, darunter „Es waren Habichte in der Luft“, „Brot und Spiele“, „Das Feuerschiff“, „Das Vorbild“, „Einstein überquert die Elbe bei Hamburg“, „Fundbüro“ oder „Arnes Nachlass“. Lenz verstarb am 7. Oktober 2014. Posthum erschien im Jahr 2016 der Roman „Der Überläufer“.
