HAMBURG - Udo Jürgens gab sich ganz bescheiden. „Ich trage zu dieser Show eigentlich gar nichts bei“, sagte er kürzlich bei einem Probelauf im Hamburger Operettenhaus. Nach kurzer Pause fügte er hinzu: „Nur meine Musik.“ Doch das ist allerhand. Hamburg bekommt ein neues Super-Musical: „Ich war noch niemals in New York“.

Darin dreht sich alles um die Hits von Udo Jürgens, die man so schön mitsingen kann, wenn man sich traut. Dazu wird – jede Wette – nun jahrelang Gelegenheit sein. Das Musical, das am Sonntag vor viel Prominenz an der Reeperbahn seine Uraufführung feierte, hat nämlich alle Zutaten für einen Kassenschlager.

Der mittlerweile 73-jährige Udo Jürgens hat bekanntlich in seinem Leben nicht wenige Frauengeschichten erlebt und erlitten, und die Spießer der Gesellschaft sind ihm stets auf die Nerven gegangen. Seine Weisheiten daraus hat der Komponist und Musiker in wohl 100 Songs verarbeitet. Viele zählen seit Jahrzehnten zum gängigen deutschen Liedgut. 23 von ihnen – von „Merci, Chérie“ bis „Aber bitte mit Sahne“ – tragen nun das Musical.

Dem Regisseur Christian Struppeck ist es gelungen, die Bühnenhandlung so anzulegen, dass sie zu den Ohrwürmern hinführt, sie einwebt. Das wirkt fast nie verkrampft, oft aber witzig. Man ahnt, was kommt, wenn etwa ein Strauß für die Chefin auftaucht: „Vielen Dank für die Blumen“. Etwas schräg wirkt es allenfalls, wenn der legendäre „Griechische Wein“ von zwei gar nicht schwermütigen Homosexuellen auf hoher See gedudelt wird.

Aber dort, auf einem Kreuzfahrtschiff, spielt nun mal die Handlung: Zwei alleinstehende ältere Menschen, Maria und Otto, verlieben sich („mit 66 Jahren“). Sie haben das Altenheim satt und brechen schließlich per Schiff zur Hochzeitsreise auf. Ausgangspunkt: „Ich war noch niemals in New York“. Ausgerechnet die Kinder treten als Spaßbremsen auf den Plan und nehmen die Verfolgung auf. Es sind die überaus ehrgeizige Journalistin Lisa und der zur Lässigkeit neigende Fotograf Otto (mit seinem pubertierenden Sprössling), beide Singles.

Daraus werden natürlich zwei Liebesgeschichten auf hoher See. Die Lieder von Udo Jürgens, 38 flexible Darsteller (zwischen 14 und 75 Jahren) und eine aufwendige, spektakulär bewegliche Bühnentechnik begleiten das Publikum durch die Wellentäler des Beziehungslebens. Viele Probleme des modernen Menschen werden abgearbeitet: Single-Dasein, Beziehungsunfähigkeit, Generationenkonflikte, Stress im Job, sogar Fettleibigkeit. Zu Letzterem ertönt natürlich: „Aber bitte mit Sahne“.

Mit dem Problem-Cocktail aus dem Journalisten-Milieu und den Evergreens des Udo Jürgens wird das Musical doppelt massentauglich. Nur ausnahmsweise, wenn sich viele Türen nacheinander öffnen und das Versteckspiel seinem Höhepunkt zustrebt, weht ein Hauch vom Ohnsorg-Theater herüber. Aber flach ist diese erste deutsche Eigenproduktion des Musical-Konzerns Stage Entertainment nicht, gleichwohl hat man an vielerlei Gags seinen Spaß.

Und so kann Altmeister Jürgens aufatmen. Seine Lieder würden „auf wunderbare Weise interpretiert“, stellte er fest. Die Produktion habe „hohes Broadway-Niveau“. Dem großen österreichischen Hit-Lieferanten wird in St. Pauli ein Denkmal aufgestellt.