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Frantz Massenat verlässt die Baskets
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Frantz Massenat verlässt die Baskets

NWZonline.de Nachrichten Kultur

In der Welt des Wundermalers

18.04.2019

Hamburg Ist das schon Wahnsinn oder noch Kreativität? Dem introvertiert wie exzentrischen Leben des niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853–1890) geht der amerikanische Regisseur Julian Schnabel („An der Schwelle zur Ewigkeit“) mit seinem neuesten Film auf die Spur. Der 67-jährige Filmemacher, der selbst auch Maler ist, geht dabei gewohnt ruhig und gleichzeitig bildstark dem Seelenzustand van Goghs auf den Grund.

Den scheinbar schmalen Grat zwischen Kreativität und Krankheit lässt Schnabel allein durch die Bilder wirken. So läuft van Gogh (Willem Dafoe) in einer düsteren Szene durch ein Feld verdorrter Sonnenblumen, um hier den perfekten Ort für ein licht- und farbgewaltiges Gemälde zu finden. Fast schon manische Szenen werden begleitet von kraftvoller, beinahe penetranter Klaviermusik.

Fast jede Einstellung des Films scheint direkt einem Gemälde von Vincent van Gogh entsprungen: kräftige, goldene Farben, die Welt schimmert in Orange und Gelb. Und so wird das späte Leben van Goghs auch anhand seiner Bilder erzählt, die Entstehung der berühmten Sonnenblumen kommt dabei ebenso vor wie seine wirbelnd geschwungenen Landschaftsmalereien und holzschnitt-artigen Porträts.

Van Gogh versuchte sich als junger Mann erfolglos als Verkäufer, Lehrer und Prediger. Erst in der Malerei fand der naturliebende Niederländer seine Berufung. Er eignete sich sein Können weitgehend selbst an. Er galt zu Lebenszeiten als Sonderling und wurde finanziell unterstützt durch seinen Bruder Theo (Rupert Friend), der Kunsthändler war und dem er als Gegenleistung seine Bilder schickte. Ruhm und Reichtum erwuchsen daraus zu seinen Lebzeiten nicht. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Mittlerweile gilt sein künstlerisches Schaffen vor allem in seinen letzten Lebensjahren als prägend für den Impressionismus. Seine Werke sind Millionen Euro wert. Um das Leben des Malers ranken sich noch immer viele Gerüchte. Nicht eindeutig geklärt ist, warum er sich ein Ohr abschnitt, unter welchen Krankheiten er tatsächlich litt und ob er wirklich Selbstmord beging. Das filmische Porträt Schnabels gibt darauf bekannte und weniger bekannte Antworten – ohne zu dramatisieren oder zu bewerten.

„Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ besticht dabei vor allem durch einen starken Willem Dafoe, der nicht nur wegen seiner Ähnlichkeit zu dem Maler überzeugt. Mit feiner Gestik und Mimik transportiert der 63-Jährige die großen Gefühlsregungen des körperlich und seelisch zunehmend leidenden und mit großer Leidenschaft agierenden Malers. Für seine herausragende Leistung gewann er 2018 beim Filmfest Venedig die Auszeichnung als bester Schauspieler, in diesem Jahr war er für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.

Die Kamera ist stets nah an van Gogh dran und übernimmt dabei sowohl seine Perspektive als auch die seiner Gesprächspartner ein. Teilweise, vor allem zu Beginn des Films, ist das Auge von der so geschaffenen, wackeligen Nähe durch die Handkamera fast schon überfordert. Gegen Ende des Films, wenn van Gogh im Grunde kaum noch Kontakt zur Außenwelt hat, zeigt dieses visuelle Mittel dagegen eindrucksvoll, in welcher entrückten eigenen Welt van Gogh zuletzt gelebt haben muss.

War van Goghs Malerei nun Ausdruck einer psychischen Krankheit oder schlicht die richtige Therapie dagegen? Konkrete Antworten gibt Schnabel drauf nicht. „Ich male, weil ich einfach nicht mehr denken will“, sagt van Gogh an einer Stelle des Films. Und einer anderen: „Manche denken, ich wäre verrückt. Nur: Ein Körnchen Verrücktheit ist das Beste an der Kunst!“

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