HAMMELWARDEN - Für ihn ist kein Gebäude zu hoch und kein Dach zu steil: Dem Laien mag schwindelig werden, wenn er Andre Bischof bei der Arbeit zuschaut. Für den erfahrenen Seilkletterer ist es ganz normaler Alltag.
Am Mittwoch hing er mit einem doppelten Seil gesichert am Hammelwarder Kirchturm in luftigen 30 Metern Höhe und reparierte das Dach.
„Wir haben lange überlegt, wie wir das Dach reparieren lassen können“, sagt Pastor Stefan Stalling. Ein Gerüst aufzubauen oder einen Kran samt Hebebühne kommen zu lassen, sei mangels Platz rund um die Kirche kaum möglich und zudem auch noch sehr teuer.
Im vergangenen Jahr waren bei einem Sturm etwa ein Dutzend Schindeln weggeflogen und auf dem Dach des Kirchenschiffes hatten sich einige Ziegel gelockert.
Per Zufall entdeckte Bernd Kuck vom Kirchenrat eine Anzeige von einem Seil- und Industriekletterer aus Oldenburg.
Andre Bischof hat sein Hobby zum Beruf gemacht und klettert nicht nur auf Bäume, sondern auch auf Schornsteine oder Hochhäuser.
Ursprünglich hat er an der Holzfachschule Holzbau gelernt, weshalb er in den Anfängen seiner über dreijährigen Kletterzeit auch verstärkt in Baumkronen tätig war, um sie fachgerecht zu beschneiden oder auch zu sichern. Mittlerweile hat der erfahrene Seilkletterer Einsätze im gesamten Bundesgebiet.
Zusammen mit einem Dachdeckerkollegen, der ihm die Schindeln anreichen und Anweisung geben sollte, wie sie korrekt anzubringen sind, ging es auf den im Jahre 1764 erbauten Turm der Friedrichskirche. Schließlich ist Bischof kein ausgebildeter Dachdecker.
Er hing doppelt gesichert an einem Haken an der Kirchturmspitze, der Dachdecker half ihm durch das kleine Kirchturmfenster.
„Zum Glück gibt es diesen Haken an der Kirchturmspitze, den unsere Vorfahren schon angebracht haben“, sagt Stefan Stalling. Vor dem Einsatz musste natürlich noch getestet werden, ob der Haken überhaupt hält. Das jemand an „seiner“ Kirchturmspitze hängt, hat der Pastor noch nicht gesehen: „Vielleicht vor meiner Zeit“.
So zog der Seilkletterer dann auch einige Schaulustige zur Hammelwarder Kirche. Dergleichen sieht man schließlich nicht alle Tage.
