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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Grün und rot und ziemlich gefräßig

18.05.2019

Hannover Erst frisst sich das Tierchen durch das Obst, dann nagt es an Wurst, Käse, Lolli und Kuchen. Rund, satt und mit leicht drückendem Bauch verpuppt es sich und wird ein schöner Schmetterling.

Seit 50 Jahren erfreut das Lochbilderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ Kinder in der ganzen Welt. Der deutsch-amerikanische Zeichner Eric Carle, der im Juni seinen 90. Geburtstag feiert, hat sie erfunden. Der Bilderbuchklassiker erschien im amerikanischen Original am 20. März 1969 und wurde seitdem rund 50 Millionen Mal verkauft und in 64 Sprachen übersetzt.

„Ein Buch zum Anfassen und Fühlen, ein Spielzeug, das man lesen kann“, so beschreibt es Carle selbst in seiner Autobiografie „Mein Weg zum Kinderbuch“. Die Löcher, die die verfressene Raupe hinterlässt, baut er als haptische Erfahrung in seine Bildergeschichte ein.

Das Kind sieht nicht nur die Raupe – es „wird vielmehr zur Raupe selbst, indem es seine Finger in die Löcher steckt und den abenteuerlichen Vorgang der Geschichte, die mit der Raupe passiert, erlebt und erleidet“. So beschreibt es treffend Viktor Christen, ehemaliger Leiter des Gerstenberg-Verlags, der Carles Bücher entdeckt und erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht hat.

Raupen, Ameisen, Käfer, Spinnen, Würmer – bereits als kleiner Junge ist Carle von Insekten fasziniert: „Ich erinnere mich noch genau an die Begeisterung, mit der ich Steine hochgehoben oder Rinde von toten Bäumen abgekratzt habe, um die winzigen Lebewesen zu beobachten, die dort aufgeregt hin und her krabbelten“, so der Zeichner. Neben der kleinen Raupe erweckte er als Erwachsener zahlreiche Kleintiere per Bild zum Leben, darunter „Die kleine Spinne spinnt und schweigt“ oder „Der kleine Käfer Immerfrech“.

Seine Motivation: Durch das in seinen Büchern spielerisch vermittelte Wissen möchte er – der selbst äußerst ungern zur Schule ging – Kindern den Übergang vom Elternhaus zum Schulalltag erleichtern.

1929 wurde Eric Carle im amerikanischen Syracuse als Kind von deutschen Einwanderern geboren. 1935 zog er als Junge von sechs Jahren wieder zurück nach Deutschland, zu seiner Großmutter nach Stuttgart – ein ungewöhnlicher Schritt in einer Zeit, in der zahlreiche Menschen versuchten, aus Nazi-Deutschland zu emigrieren.

Bereits als Schüler entwickelt Carle künstlerisches Talent. Seine Begabung fällt auch seinem Zeichenlehrer „Herrn Krauss“ auf, und er lädt Eric ein, ihn in seiner Wohnung zu besuchen. Dort zeigt er ihm – heimlich – Reproduktionen von Werken von Picasso, Matisse, Kandinsky und Klee, die damals als „entartete Kunst“ gelten. Carle ist beeindruckt von ihrer „fremdartigen Schönheit“, wie er später in seinen Erinnerungen schreibt.

Nach dem Abschluss der Kunsthochschule Stuttgart kehrt Carle mit 22 Jahren in die USA zurück und arbeitet als Werbedesigner. Er fängt an, mit Seidenpapier zu experimentieren – eine Technik, die später zu seinem Markenzeichen werden sollte.

Im Jahr 1967 illustriert er sein erstes Kinderbuch, zahlreiche weitere folgen. 2002 eröffnet er in Massachusetts, „The Eric Carle Museum of Picture Book Art“, ein Museum für internationale Bilderbuchkunst.

In Hannover wird dem Schöpfer der kleinen Raupe nun eine eigene Ausstellung gewidmet. Das Museum Wilhelm Busch zeigt von diesem Samstag an bis zum 8. September Originalarbeiten des Künstlers, darunter Illustrationen für die Bilderbücher „Brauner Bär, wen siehst denn du?“, „Papa, bitte hol für mich den Mond vom Himmel“, „Der Künstler und das blaue Pferd“ – und natürlich „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Auch den Kittel des Zeichners sowie Fotos, Videos und weitere Arbeitsmaterialien können die Besucher in Hannover bewundern.

Warum die kleine Raupe Nimmersatt Kinder seit Jahrzehnten so fasziniert, kann auch ihr Schöpfer selbst nicht abschließend beantworten. Über den „entscheidenden Erfolgsfaktor“ könne er nur Vermutungen anstellen, sagte er mal.

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