HANNOVER - Das niedersächsische Parlament stellt sich dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: Für eine Aufführung von Peter Weiss’ „Die Ermittlung“ öffnet der Landtag am 11. Februar seinen Plenarsaal. Neun Ensemblemitglieder des Schauspiels Hannover lesen Auszüge aus dem Stück, das auf den Protokollen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses basiert.

Das Projekt gehört zum Begleitprogramm einer Ausstellung des Fritz-Bauer-Instituts über den Auschwitz-Prozess 1963-65, dem wichtigsten Verfahren zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der Bundesrepublik. „Wir betreten Neuland damit“, sagte Landtagspräsident Hermann Dinkla am Dienstag über die Theaterpremiere im Parlament.

Die szenische Lesung bereitet Regisseur Christian Pade vor, der „Die Ermittlung“ 1995 bereits im Staatstheater Stuttgart inszeniert hat. Der holzvertäfelte, fensterlose Plenarsaal ist für ihn auch optisch eine geeignete Kulisse. Schauspiel-Intendant Wilfried Schulz ergänzte: „Es ist ein Ort, in dem Geschichte und Zukunft verhandelt wird, ein Ort der Moral, der Werte.“ Der Raum sei einem Theater oder Gericht nicht ganz unähnlich.

Auf Seiten der Landtags-Verwaltung gab es zunächst Bedenken, mittlerweile ist Landtagspräsident Dinkla aber von dem Projekt überzeugt. Für einen Abend sei der Landtag der richtige Ort, um sichtbar werden zu lassen, dass auch die Demokratie in Niedersachsen die Lehre aus der Geschichte verstanden habe, sagte der CDU-Politiker.

Der Eintritt für die szenische Lesung am 11. Februar ist frei, allerdings müssen Karten reserviert werden: 0511/99 99 11 11