HANNOVER - Aus Anlass des Mauerbaus vor 50 Jahren zeigt das Historische Museum Hannover eine Sonderausstellung mit beklemmenden Geschichten von der innerdeutschen Grenze. Die Schau beleuchtet 26 Stationen an der niedersächsischen DDR-Grenze vom Eichsfeld im Süden bis an die Elbe. Anhand von Fotografien aus Archiven und Privatbesitz, Filmmaterial und knapp 100 Objekten werden „Grenzerfahrungen“ – so der Titel der Schau – sichtbar gemacht. „Der längste Abschnitt der innerdeutschen Grenze, etwa 550 Kilometer, begrenzte Niedersachsen“, sagte Museumsdirektor Thomas Schwark am Dienstag. Themen sind unter anderem Massenfluchten ganzer Dörfer, schmerzhafte Trennungen von Familien sowie Gewalt und Tod an der Grenze.

Ursprünglich sollte die 1400 Kilometer lange Demarkationslinie nur die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) von den westlichen Zonen trennen. Mit der Gründung von zwei Staaten auf deutschem Boden wurde daraus 1949 eine Staatsgrenze. Bis 1952 konnten die Menschen noch relativ einfach die mit Stacheldrahtzäunen, Schildern und Holzpfählen gesicherte Linie zwischen Ost und West passieren. In den Jahrzehnten darauf folgte eine technische Hochrüstung mit Tretminen, Beobachtungstürmen, Sperrmauern und Selbstschussanlagen.

Vorbereitet wurde die Schau durch ein mehrjähriges von der Volkswagenstiftung gefördertes Forschungsprojekt mit Studierenden der Leibniz Universität Hannover. „Wir versuchen, die Grenze auch als kulturelles Phänomen in den Blick zu nehmen, ohne die Flüchtlinge und die Toten zu verleugnen“, sagte Detlef Schmiechen-Ackermann, Geschichtsprofessor an der Uni Hannover. So hatte nach Meinung der Forscher der starke katholische Glauben im Eichsfeld „hüben wie drüben“ seinen Anteil daran, dass am 2. Oktober 1961 mehr als 50 Bewohner aus Böseckendorf in Thüringen ins niedersächsische Immingerode flohen.

Die Schau läuft in Hannover bis zum 14. August. Ein umfassendes Begleitprogramm richtet sich vor allem an Gruppen und Schulklassen. Öffnungszeiten: Dienstag 10–19 Uhr, Mittwoch bis Freitag 10–17 Uhr, Wochenende und Feiertage 10–18 Uhr.