HANNOVER - HANNOVER/LNI/KU - Das Land Niedersachsen will Teile der zur Versteigerung anstehenden Welfen-Kunstschätze für niedersächsische Museen sichern. Noch vor dem offiziellen Auktionstermin am 29. September auf Schloss Marienburg sollen Gemälde, Geschirr oder Waffen des Fürstenhauses gekauft werden, teilte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur gestern mit. Die noch nicht bekannte Kaufsumme soll von sechs Kulturstiftungen – darunter auch der Stiftung Niedersachsen – aufgebracht werden. Das Land selbst werde kein Geld beisteuern, sagte Minister Lutz Stratmann (CDU). Auch über eine mögliche Höchstsumme wurde nichts gesagt.
„Wir haben alle Fachleute und Geldgeber zusammengebracht“, so Stratmann. Über den Kunsthistoriker Christoph Graf Douglas sei der Kontakt zum Fürstenhaus geknüpft worden, das eine große Bereitschaft gezeigt und ein Vorkaufsrecht eingeräumt habe. Historiker aus Braunschweig und Hannover, den ehemaligen Welfengebieten, sind nach Amsterdam gereist, um die Gegenstände zu begutachten. Dort werden derzeit alle 20 000 Objekte für die Versteigerung vom Auktionshaus Sotheby’s geschätzt.
Bis Montag wollen die Museen ihre Wunschlisten Sotheby’s übermittelt haben. Erworben werden können die Stücke zum Schätzpreis: „Es geht nicht um Millionenbeträge.“ Es würden ohnehin nicht viel Stücke von „tatsächlich herausragender Bedeutung“ unter den Hammer kommen. „Es handelt sich vielmehr um Objekte, die für ein breiteres Publikum interessant sind“, sagte der Minister. Dazu gehörten viele Alltagsgegenstände wie Porzellan, Möbel, Silber oder Glas. Stücke aus dem Nordwesten sind nicht dabei.
Kulturgüter von nationalem Rang stehen generell auf der so genannten „Blauen Liste“ und dürfen nicht ins Ausland verkauft werden. Eigentum der Welfen, das auf der „Blauen Liste“ steht, wird auf der Auktion nicht angeboten. Fast alle Stücke waren in den vergangenen Jahrzehnten im Schloss Marienburg bei Hildesheim gelagert. Das Schloss diente nie als Wohnsitz.
Nach 1945 hatte die Fürstenfamilie dort Besitztümer untergebracht. Mit dem Erlös der Auktion wollen die Welfen eine Stiftung gründen. Damit soll vor allem Schloss Marienburg erhalten werden. Es soll eine Art „norddeutsches Neuschwanstein“ werden.
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