HANNOVER - Es ist fünf nach acht. Blaues Licht erleuchtet die Bühne in der AWD-Hall in Hannover. Auftritt: eine Legende. Bob Dylan. Mit beigem Hut und schwarzem Hemd nimmt er Platz an seiner Orgel. Seine vierköpfige Band präsentiert sich im umgekehrten Dresscode. Schwarze Hüte und beige Jacken. Ohne Umschweife legen die Musiker los und beweisen mit „Leopard-skin Pillbox-head“, dass der Altmeister weit entfernt vom abgehalfterten Rockstar ist. Ein Blues, der scheppert und kracht.

Der Meister ist eindeutig gut drauf. Nicht übermütig aus sich herausgehend, aber immer wieder huscht ein Lächeln über seine Lippen – schaut er verschmitzt zu seinen Mitmusikern oder ins Publikum. Bei „Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again“ gibt sich Herr Dylan sogar einem dezenten Knietanz hin.

Der 67-Jährige ist bekannt dafür, bei jedem Konzert immer ein anderes Set zu spielen. Der Mann kann schließlich mittlerweile aus einem Fundus von 33 Studioalben schöpfen. Das aktuelle Werk „Together Through Life“ erscheint am 24. April.

So erweist sich gleich das zweite Stück als Überraschung. „The Man In Me“, bekannt aus dem Filmsoundtrack „The Big Lebowski“, steigert die Euphorie der 4500 Konzertbesucher merklich. Und das, obwohl Dylan in seiner Art, das Lied vorzutragen, eigenwillig erkältet klingt.

Seine Stimme ist ohnehin ein Phänomen. Mal krächzend, mal knarzend, mal heulend. Dann doch wieder klar. Aber immer mit markanter Faszination behaftet. Auch variiert er ständig seine Wort-Rhythmik. So ist es unmöglich, selbst bei Hymnen wie „All Along The Watchtower“ oder „Like A Rolling Stone“ mitzusingen. Ist aber auch nicht nötig. Dass Dylan sein Gesamtwerk auf seiner seit 1988 andauernden „Never Endig Tour“ stets neu erfindet, macht das Live-Erlebnis Dylan aus.

Neben den druckvollen Blues-Arrangements gibt es auch viele Momente, die den Zuhörern Gänsehaut bereiten. So etwa das völlig neu arrangierte „Dignity“, das sakral anmutend in den Bann schlägt. „John Brown“, „Masters Of War“, „Sugar Baby“ und „Nettie Moore“ sind ähnlich erhaben.

Wer genau hinschaut, kann auf der Bühne auch die Oscar-Statue – im Jahr 2001 für den Song „Things Have Changed“ aus dem Film „Die Wonderboys“ gewonnen – auf einem der Verstärker entdecken.

Zum Abschluss geht „His Bobness“ mit der Band zum vorderen Bühnenrand. Aber nicht, um sich artig zu verbeugen. Nein. Mit beiden Händen huldvoll winkend. Wie ein König. Und die Herzen des zuvor lauschenden Volkes fliegen ihm zu.