HANNOVER/OLDENBURG - Der Oldenburger Jazzmusiker Gerhard Böhm ist ein sanfter Mensch, aber Worte wie „Förderantrag“ oder „Ablehnungsbescheid“ sollte man derzeit besser nur außer Hörweite gebrauchen. Es könnte sonst passieren, dass Böhms Gesichtsmuskeln zu zucken beginnen, seine Finger einen nervösen Rhythmus auf die Tischplatte klopfen und er mit sehr lauter Stimme mehrfach das Wort „Herzinfarkt“ wiederholt.
Seit einem Dreivierteljahr feilt Böhm mit seinen Kollegen von der Jazzmusikerinitiative Oldenburg (JMO) nämlich am Programm der achten Ausgabe des Oldenburger Traditionsfestivals „Jazz en bloc“ – und jetzt, sechs Wochen vor Festivalbeginn, flatterte ihm ein Ablehnungsbescheid des Landes Niedersachsen zu seinem Förderantrag ins Haus.
Böhm musste sich „erst mal lang hinlegen“. Er hatte fest damit gerechnet, dass das Land einen Großteil der Gesamtkosten von 30 000 Euro tragen würde – wie schon beim bislang letzten „Jazz en bloc“-Festival 2005. Diesmal erkannte das zuständige Gremium im Ministerium für Wissenschaft und Kultur laut Böhm aber keine „überregionale Bedeutung des Festivals“ und damit auch keine Förderwürdigkeit.
„Dabei haben wir Weltstars im Programm, zum Beispiel den Percussionisten Nippy Noya, der sonst mit Leuten wie Sting und den Rolling Stones spielt und bei uns nun mit Musikern aus der Region auftritt!“
Mehr noch als die Begründung der Ablehnung ärgert Böhm ihr später Zeitpunkt. Wegen der wochenlangen Wartezeit auf den Bescheid seien Musiker wieder abgesprungen, günstige Flugangebote verfallen und, schlimmer noch, Fristen für Förderanträge bei anderen Institutionen abgelaufen. Nach der Absage versuchte Böhm, das Programm abzuspecken. „Das ging aber nicht“, stellte er fest: „Einer unserer Unterstützer teilte mir postwendend mit, dass seine Förderzusage damit hinfällig würde.“
Also drehte Böhm noch einmal kräftig an der Sparschraube. Gagen wurden gekürzt, der Oldenburger Plakatdrucker wurde gegen einen günstigeren Internetanbieter ausgetauscht, Weltstar Nippy Noya wird statt im Hotel im Böhmschen Gästezimmer untergebracht. „Aber es bleibt immer noch eine Finanzierungslücke von 7000 Euro.“
Natürlich wissen Böhm und seine JMO-Kollegen, dass es kein Recht auf Förderung gibt. „Aber ohne geht es leider nicht“, sagt er, „nur ein Fünftel der Kosten sind über Eintrittsgelder zu decken.“ Der Musiker zitiert deshalb den „Masterplan Kultur“ des Oldenburger Kulturdezernenten Martin Schumacher: „Einzelne Veranstaltungsbereiche . . . wie Jazz sind nicht profitabel und auf öffentliche Förderung angewiesen.“
„Jazz en bloc“ gibt es seit 17 Jahren. Das Festival fand zunächst in der Oldenburger Kulturetage statt und zog dann, als es immer größer wurde, ins Oldenburgische Staatstheater um. „Ich will nicht einsehen, dass so viele Jahre ehrenamtliche Arbeit plötzlich keinen Wert mehr haben sollen“, sagt Böhm und kündigt an: „Wir kämpfen weiter!“ Statt auf Tischplatten klopft er jetzt wieder an Türen, mit ersten Erfolgen: „Kulturminister Lutz Stratmann und die Oldenburgische Landschaft haben mir versprochen, sich für uns stark zu machen . . .“
Das Programm
Das Festival
„Jazz en bloc“ soll am Mittwoch, 5. März, mit einer Jazz-Film-Kino-Nacht im Casablanca-Kino an der Oldenburger Johannisstraße beginnen. Vom 6. bis 8. März stehen dann Live-Konzerte von regionalen und internationalen Jazz-Künstlern im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatsttheaters auf dem Programm.Geplant
sind Gastspiele u. a. von der Nordwest Bigband feat, Deborah Brown (USA), Urs Leimgruber (Schweiz) und Hannes Clauss (Oldenburg), Bernhard Mergner Quartett (Weimar), String Thing, „Purple Haze – A Tribute to Jimi Hendrix“ feat. Quintett „Herr Schmidt“ (Oldenburg) und Nippy Noya (Niederlande), „Die Jazzbäckerei – Programm für Kinder“ (Bremen).
Infos: www.jazzunited.de
