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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Berühren erlaubt!

05.06.2018

Hannover Selbst Sehende können sich in den berühmten Herrenhäuser Gärten in Hannover verlaufen. Mit Taststock ist es noch schwieriger, in dem riesigen Barockensemble mit seinen unzähligen Beeten, Alleen und Wasserspielen die Orientierung zu behalten. Martin Rembeck ist hochgradig sehbehindert und hat 1996 seine erste Führung für Blinde und Sehbehinderte durch die weltbekannte Anlage angeboten. Vor drei Jahren veröffentlichte er einen multimedialen Gartenführer, mit dessen Hilfe die symmetrische Architektur auch ertastet werden kann. An diesem Montag teilt er seine Begeisterung für den geschichtsträchtigen Ort mit einer Gruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen.

Die Teilnehmer ertasten das filigran gearbeitete Goldene Tor in der Nähe des wiedererrichteten Schlosses Herrenhausen und spüren seine Schwingungen. Sie streifen mit den Händen durch die langen Hecken und lassen sich im Gartentheater nieder, um ein Barockstück zu hören. Anlass für die besondere Führung ist der Sehbehindertentag am Donnerstag (6. Juni). Das Motto in diesem Jahr lautet „Sehbehindert im Museum“, bundesweit bieten mehr als 60 Museen besondere Veranstaltungen an. Es hätten auch mehr sein können, meint Jessica Meyer, selbst sehbehindert und beim Verband als Sozialberaterin angestellt.

Auch sie ist zum ersten Mal in den Herrenhäuser Gärten. Privat geht die junge Frau sonst selten ins Museum. Konzerte, Lesungen oder Comedy seien für Nicht-Sehende einfacher zugänglich als bildende Kunst, sagt Meyer. Allerdings sei es wichtig, dass auch Museen sich um dieses Publikum bemühen. „Viele Menschen sind kunstbegeistert und werden erst im Laufe ihres Lebens sehbehindert“, sagt sie. Bundesweit sind zwischen 650.000 und 1,2 Millionen Menschen sehbehindert oder gar blind. Als sehbehindert gilt, wer mit Brille auf keinem Auge 30 Prozent der normalen Sehkraft erreicht.

Im Norden beteiligen sich an dem Aktionstag unter anderem auch die Kunsthalle Bremen, das Bomann-Museum Celle sowie das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim. Das Haus mit der renommierten altägyptischen Sammlung hat vor kurzem ein „Museum der Sinne“ als integrierte Dauerausstellung eingerichtet. Hier werden Führungen für Blinde- und Sehbehinderte, in Gebärdensprache oder in leichter Sprache angeboten. Zudem gibt es auch Führungen im Dunkeln für Sehende. In Berlin hat sich etwa die Berlinische Galerie auf den Weg zu einem barrierefreien Museum gemacht.

„Interessant wird ein Museum dann, wenn es nicht nur ein Tastobjekt gibt, sondern mehrere“, sagt Reiner Delgado vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Wichtig seien zudem ein gut beleuchteter Zugang zu den Exponaten, die Möglichkeit, nahe heranzugehen beziehungsweise anzufassen oder auch zu fotografieren. Dabei könnten auch Audioguides mit ausführlichen Beschreibungen helfen. Am häufigsten seien aber spezielle Führungen, berichtet Delgado. „Ein Nachteil dabei ist, dass sie relativ selten und nur zu bestimmten Terminen stattfinden.“

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