HARPSTEDT - „Ich suche etwas für meinen sieben Monate alten Sohn“, sagt Bianca Müller und stöbert auf dem großen Tisch mit den Kinderbüchern. Nach einigen Minuten wird sie fündig: „Tierkinder“ heißt das Büchlein, das sie ihrem Felix mitbringen will. Doch nicht nur Kinderbücher sind am Dienstagnachmittag in der Koems-Saalstube in Harpstedt von Interesse. Auf der Literatur-Tauschbörse des Landfrauenvereins Harpstedt-Heiligenrode sind vor allem Romane gefragt. „Etwa 200 Romane haben wir heute zur Auswahl“, sagt Helga Lehmkuhl, die die Bücherbörse zum dritten Mal organisiert hat. Rund 20 Landfrauen sind gekommen, trinken aber erst Kaffee und essen Kuchen, bevor sie in den zahlreichen Druckwerken blättern.

„Ausgelesene“ Bücher mitbringen und gegen andere Second-hand-Exemplare austauschen, ohne dafür viel Geld zu bezahlen, ist die Idee, die hinter dieser Veranstaltung steckt. Ein reines Tauschgeschäft ist es jedoch nicht unbedingt: Wer ein gebrauchtes Buch haben will, zahlt bis zu 3 Euro, denn nicht alle haben etwas zum Tauschen dabei.

Einen ganzen Schwung Bücher älteren Datums hat Gabi Trojan dabei: „Meine Mutter ist vergangenes Jahr gestorben, da habe aussortiert.“ So findet sich unter ihren Schätzen zum Beispiel eine Karl-May-Reihe aus dem Jahr 1957. Sonja Kieselhorst hat die Büchersammlung ihrer beiden 16 und 19 Jahre alten Töchter ausgemistet. „Die sind mittlerweile zu alt für ,Hexe Lilli‘ oder die ,Ponybande‘“, lacht sie.

Die Bücherbörse nutzt zudem der Lesekreis des Landfrauenvereins, um sich vorzustellen. „Wir treffen uns mit rund zehn Frauen an jedem letzten Montag im Monat um 19 Uhr im Bücherlädchen von Ilse zur Hellen, um über ein bestimmtes Buch zu sprechen“, berichtet Renate Jürgens. „Zurzeit lesen wir die Attentäterin.“ Am Ende des Abends einige man sich auf ein neues Werk, meist aus der modernen Literatur, für das man erneut vier Wochen Zeit habe. Und werde mal einer der gelesenen Romane verfilmt, gehe man auch zusammen ins Kino. Interessierte Leserinnen seien jederzeit willkommen, vorbeizuschauen.