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Hobby „Eine Taube ist zum Fliegen geboren“

Astrid Kretzer

HARPSTEDT - „Wenn man es entdeckt hat, kommt man nicht mehr davon los.“ Alfred Radke hat sich ganz und gar dem Brieftaubensport und der -zucht verschrieben. Seit mehr als 50 Jahren zählt der Harpstedter zu den vereinsmäßig organisierten Züchtern und Wettbewerbsteilnehmern bei überregionalen Wettflügen. 1956, als der Sport in ganz Deutschland gerade zu boomen begann und nach Zahlen des Brieftaubenzüchterverbands um die 80 000 Anhänger hatte, starteten Radkes Tauben erstmals bei einem Wettflug. Unzählige Starts für die Reisevereinigung Delmenhorst und später die Reisevereinigung Twistringen sind seither dazu gekommen, unzählige Male hat Alfred Radke bereits aufgeregt die Heimkehr seiner meist gut 20 Wettbewerbstauben erwartet. Auszeichnungen füllen den Medaillenschrank im Wohnzimmer, darunter als Erinnerung an den bislang größten Triumph – die schnellste Taube unter 17 500 Tieren beim Nationalflug 1989 ab Basel („sie flog einen Schnitt von 83 Stundenkilometern“) – eine handgefertigte Siegestrophäe in Gestalt eines Taubenzüchters mit Vogelkörben: „Davon zehrt man lange.“ Doch aufhören und auf den Erfolgen ausruhen? Daran verschwendet der 80-Jährige keinen Gedanken. Im Gegenteil: Radke ist hochmotiviert für die neue Saison, die am 5. Mai mit dem ersten Preisflug anläuft: „Ich habe mir für dieses Jahr noch mal was vorgenommen.“

Vor dem Erfolg indes steht die Arbeit. Trainings- wie Zuchtarbeit. „In diesen Tagen beginnt die Zuchtarbeit“, verrät Radke: Mit dem Erwachen der Natur würden Anfang März auch die Tauben zusammengesetzt, etwa vier Wochen später schlüpfen erste Junge. Gut 30 Nachzuchttiere hat der Harpstedter pro Jahr in seinem Schlag. „Aus eigenen Leistungstauben züchte ich Nachwuchs“, erzählt der 80-Jährige, der 28 Taubenpaare hegt; zudem bekomme er gelegentlich Tauben geschenkt. Auf Zukäufe verzichtet er konsequent: „Es gibt viele, die haben viel Geld investiert und das Ergebnis war gleich Null. Das ist das Interessante: Es gibt kein Patentrezept.“

Parallel läuft in Kürze auch die Saisonvorbereitung an: Ab Mitte April reist Radke wieder wöchentlich zum Trainieren an den Dümmer See, wo er die Tauben auflässt. „Und ich schaffe es nicht, eher zu Hause zu sein als sie“, schmunzelt der Züchter: „Wenn meine Tauben 50 Kilometer von zu Hause sind, hält sie nichts mehr auf.“ Auch mit den Jungtieren werde bereits gearbeitet: Schrittweise werden sie bei Trainingsflügen von 20 bis 50 Kilometern an erste Preisflüge herangeführt und „finden auf Anhieb zurück“.

Das Flugtempo und der Orientierungssinn der Tauben haben Radke von Kindesbeinen an fasziniert: „Die kommen, aus welcher Himmelsrichtung auch immer, zurück nach Hause.“ Von Basel etwa hätten es einige seiner Tauben bereits in siebeneinhalb Stunden geschafft. Wie sie eigentlich über etliche hundert Kilometer den direkten Weg wieder in den Heimatschlag finden, „darüber streiten sich immer noch die Gelehrten“, sagt Radke. Mit Tierquälerei habe all das nichts zu tun: „Eine Taube ist zum Fliegen geboren. Das ist drin.“

Die Kunst liegt für Radke darin, „die Tauben immer wieder zu animieren, schnell nach Hause zu fliegen“. Ein Kniff ist, jeweils nur ein Tier eines Pärchens zum Flug starten zu lassen: „Der Partner ist das Lockmittel.“ Aber auch der Mensch hat in Radkes Augen seine Rolle: „Der Kontakt zum Züchter muss immer da sein. Dann sind die Tauben noch ein bisschen motivierter.“ Und so klettert Radke auch 80-jährig mehrmals täglich die schmale Treppe zum Dachboden empor, wo er seine Wettbewerbstauben hält. Zum Saubermachen und Füttern, um ein paar Körner aus der Hand zu geben, und auch für kleine Trainingseinheiten bei Haus. Für eine halbe Stunde werden die Tauben dann herausgelassen, ehe sie auf Kommando wieder zurückkehren müssen in den Schlag. Regelmäßig, denn: „Ohne Fleiß kein Preis.“ Und das bedeutet im Brieftaubensport konkret: keine Platzierung der Taube im vorderen Drittel.

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