HARPSTEDT - Gegen Ende des Konzertes mussten der Trompeter und sein Organist Hand an die defekte Orgel legen. Der Abend war dennoch gelungen.

von andre dolle

HARPSTEDT - Ludwig Güttler senkt die Augen, drückt seine Trompete fest an sich und lauscht dem Spiel des Organisten Friedrich Kircheis. Seine Augenbrauen hebt und senkt er im Takt der Musik, seine Gesichtszüge sind angespannt. Dann steht er auf, setzt die Trompete an und ein unglaublich klarer Klang ertönt.

„Für Harpstedt ist das großartig. Konzerte dieser Art im Klassik-Bereich haben wir noch nicht gehabt“, sagte Pastor Gunnar Schulz-Achelis, Organisator des Meisterkonzerts von Ludwig Güttler und Friedrich Kircheis am Dienstagabend in der Harpstedter Christuskirche.

700 Besucher ließen sich das Konzertereignis mit Güttler, einem der international erfolgreichsten Trompetenvirtuosen, der in großen Konzerthäusern im In- und Ausland gespielt hat, nicht entgehen. Sie sollten nicht enttäuscht werden. Obwohl das Konzert erst um 20 Uhr begann, war die Kirche bereits um 19.30 Uhr gefüllt. Die ersten 150 Besucher konnten auf der Empore Platz nehmen und befanden sich in unmittelbarer Nähe zu den Musikern.

Güttler und Kircheis spielten vornehmlich Stücke aus dem 18. Jahrhundert, darunter Werke von Alessandro Scarlatti, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die internationale Musikkritik feiert Güttler als „König der Trompete“ – er sollte seinen Vorschusslorbeeren gerecht werden. Mal spielte er unglaublich sanft, dann blies er seine Trompete so laut wie eine Fanfare, oder er spielte in so schnellen Klangfolgen, dass die Luft vibrierte. Einzelne Zuhörer schlossen gedankenversunken die Augen, andere setzten ein leichtes Lächeln auf.

Zwischen seinen Einsätzen schraubte und nestelte Güttler immer wieder liebevoll an seiner Trompete herum, nahm ein Stück ab und blies hindurch.

Plötzlich wendete er sich ans Publikum: „Wir haben eine Orgelpfeife, die vom Spiel so begeistert ist, dass sie gar nicht wieder verstummen will.“ Unter dem Gelächter und staunenden Blicken der Gäste legten Güttler und Kircheis selbst Hand an, nahmen ein paar Bretter ab, konnten den Schaden an der Mechanik aber nicht beheben. „Wir fahren jetzt auf drei Rädern ins Ziel“, so Güttler.

Routiniert fuhren die Musiker ihr restliches Programm fort. „Bis auf die Panne mit der Orgel bin ich sehr zufrieden mit dem Abend“, resümierte Schulz-Achelis.