HARPSTEDT - „Dich wird eines Tages der Teufel holen“, hatte einst Großmama orakelt, als der Knirps Schokolade stibitzte. Es kam anders: „Ich lief ihm in die Arme“, ließ der Ich-Erzähler sein Publikum wissen – und nahm mit auf eine bald gruselige, bald bizarre, dann wieder heitere Erzählreise zu „Luzifer“. Bei der es letztlich um eine Frage ging, die die Menschheit immer wieder umtreibt: die Frage von Gut und Böse – und den Platz des Menschen.
Davon, „Wie ich einmal in Harpstedt den Teufel traf“, erzählte Jens Fröhlke am Freitag bei einer Lesung mit Gesang in Regie des Vereins Kunst und Kultur Harpstedt (KuK) im „Kleinen Weinladen“. Als Rezitator mit Erfahrung, war es diesmal ein Text aus eigener Feder, den Fröhl-ke vortrug und in den er zudem eigene Gesangseinlagen integrierte, einfühlsam begleitet von Lutz Sanner an der Gitarre. „Dies ist eine Premiere: Ich singe“, machte Fröhlke aus seinem Lampenfieber keinen Hehl. Zumal er in seine teuflische Geschichte keine leicht zu interpretierenden Lieder einbaute: von den Ärzten, Udo Lindenberg, Ludwig Hirsch oder dem Duo Witthüser & Westrupp, das in den 70ern mit deutschen Texten u.a. um Dunkles und Mystisches von sich reden machte.
Der Abend bescherte den 50 Zuhörern ein Wechselbad der Emotionen. Da ließ gruseln, wie der Erzähler auf nächtlichem Heimweg den Teufel trifft, der „einfach da saß, auf dem Geländer der Schwarzen Brücke und auf die Felder starrte“, oder wie die angestimmte „Regenballade“ von Achim Reichel schaurige Atmosphäre heraufbeschwor („Der Wald war feuchtkalt wie ein Grab“). Da wurde es bedrückend bei einer Interpretation des Liedes „Peterle“, frei nach Ludwig Hirsch. Da kam auch der Humor nicht zu kurz in der alkoholgetränkten Begegnung von Teufel und Ich-Erzähler – mal schwarz, mal skurril, mal mit augenzwinkerndem Lokalkolorit: So nahm Verwaltungschef Uwe Cordes im Publikum mit, dass nächtliche Freibadbesuche („After-Party-Swimming“) im Flecken „lange Tradition“ haben.
Nein, dass er simpel „das personifizierte Böse“ sei und die Seelen der Menschen wolle, lässt der Teufel in Fröhlkes Erzählung nicht stehen. Jeder trage Hölle und Himmel in sich, diese Erkenntnis wächst im Ich-Erzähler: „Weißt du, wie schwer es ist, sich jeden Tag neu zu entscheiden; denn das muss ich jeden verdammten Tag aufs Neue, ob ich gut oder schlecht sein will?“ Die Plaudereien mit dem Teufel enden mit Hereinbrechen der Dämmerung und der Frage: „Nur ein komischer verworrener Traum, eine Fantasterei?“ Was ihm bleibt, ist eine unbezahlte Wirtshausrechnung.
„Teuflisch gut“, urteilte bereits nach der Pause eine Zuhörerin im Zwischenruf. Dass sich Fröhlke selbst über seine strapazierte Stimme sorgte, beeinträchtigte das Vergnügen kaum. Ein Literaturabend eigener Art, der nur aufgrund begrenzter Räumlichkeiten kein größeres Publikum fand: Alle Karten gingen im Vorverkauf weg, „wir hätten den Saal zweimal voll machen können“, freute sich Fröhlke. Für Januar stellte er spontan eine Neuauflage in Aussicht.
