HARPSTEDT/SYKE - HARPSTEDT/SYKE - Während die Welt vom Seebeben-Unglück gebannt nach Südostasien blickte, spielte sich im Norden Europas eine international wenig beachtete Naturkatastrophe ab. Der Orkan „Erwin“, der über Norddeutschland strich, entfaltete am 9. Januar in Schweden seine ganze Zerstörungskraft in den weiten Wäldern Nordeuropas: Innerhalb von sechs Stunden riss er 200 Millionen Bäume aus der Erde.
Gleich nach der Katastrophe ging ein Hilferuf des schwedischen Energieversorgers Sydkraft an die anderen Unternehmen des Eon-Konzerns: 400 000 Haushalte, vor allem in Südschweden, waren ohne Strom, weil der Orkan die Freileitungen zerstört hatte.
Willi Mohrlüder ist einer von vier Monteuren der Avacon in Syke, die sich spontan freiwillig zum Hilfseinsatz gemeldet haben. „Wir haben uns sofort alles verfügbare Material gegriffen, um so schnell wie möglich zu helfen“, berichtet der 35-jährige Sulinger. Nördlich von Malmö wurde er eingesetzt. Dort sah er Zerstörungen kaum vorstellbaren Ausmaßes: Abgeknickte Bäume waren auf die Kabel gefallen und hatten die Masten mit umgerissen. Kilometerlange Stromleitungen waren unter Bäumen begraben. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schufteten die Männer der Avacon mit ihren schwedischen Kollegen bei Minustemperaturen in den nordischen Wäldern, um eine Zehn-Kilovolt-Leitung wieder aufzubauen – unter den dankbaren Blicken der Schweden, die zum Teil wochenlang ohne Strom ausharren mussten.
„Der Boden ist dort felsig“, berichtet er. Die Strommasten könnten nicht so tief eingegraben werden wie in Deutschland, sondern müssten mit Ankerseilen abgespannt werden.
In Deutschland könne ein solcher Orkan nicht den gleichen Schaden anrichten wie in Schweden, betont Cornelia Junge, Pressesprecherin der Avacon: „Bei uns sind ja viel mehr Leitungen schon verkabelt.“ Und auch Horst Winkelmann, Teamleiter Betriebsmanagement in Syke bestätigt: „Alles, was aus der Erde herausguckt, ist gefährdet.“
Die Kosten für den Eon-Konzern sind enorm: Allein die vorläufige Instandsetzung der zerstörten Freileitungen wird nach Angaben der Avacon rund 150 Millionen Euro kosten. Auch nach wochenlangem Hilfseinsatz seien noch immer 15 000 Menschen ohne Strom. Und der endgültige Wiederaufbau stehe erst noch bevor. Auch wird Sydkraft Stromausfallentschädigungen und Schadensersatz zahlen.
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NWZ/LANDKREIS/.6
