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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Harte Männer auf der Suche nach der Wirklichkeit

19.09.2016

Wilhelmshaven „Die Geschichte mag lächerlich erscheinen, weil sie so fremd ist, aber ich bitte um Verständnis, es war meine einzige Chance.“ Dieser Satz am Ende des 20-minütigen Monologs eines somalischen Piraten scheint symptomatisch für die Premiere von „Die lächerliche Finsternis“ am Sonnabend im Stadttheater Wilhelmshaven zu sein. Ja, das Hörspiel von Wolfram Lotz ist merkwürdig, sprunghaft, unlogisch und auch lächerlich, aber insgesamt stimmig. Sofern sich der Zuschauer davon lösen kann, alles verstehen zu wollen. Landesbühnen-Oberspielleiterin Eva Lange hat ein Werk auf die Bühne gebracht, das nachdenklich stimmt, gleichzeitig aber auch die Lust am Zuhören von Geschichten ans Licht bringt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Zwei Bundeswehrsoldaten haben den Auftrag, einen Offizier zu liquidieren, der im Wahn zwei seiner Männer im Schlaf getötet hat. Dazu müssen sich die beiden auf eine lange Reise machen, entlang des Hindukuschs; bei Lotz ein Fluss im Regenwald Afghanistans. Der Hindukusch ist doch eigentlich ein Gebirge. Oder? „Nein, ich habe es gesehen, es ist ein dunkler Fluss“, sagt der Hauptfeldwebel Oliver Pellner. Okay, das muss der Zuschauer also hinnehmen.

Auf ihrer Reise begegnen Pellner und sein Untergebener Stefan Dorsch allerlei kuriosen Gestalten. Im Zentrum steht die Frage: Wie wirklich ist die Wirklichkeit denn nun? Passiert das alles wirklich? Oder ist es doch nur Einbildung? Gerade in der Dunkelheit erscheinen die Dinge oft nicht so, wie sie bei Licht sind.

Die vier Schauspielerinnen Mechthild Grabner, Anna Gesewsky, Jördis Wölk und Caroline Wybranietz schlüpfen abwechselnd in die Rollen von Pellner, Dorsch und den anderen Figuren. Ein gut gewählter Schachzug von Eva Lange, die Männerrollen mit Frauen zu besetzen. Perfekt wurde die harte Männerwelt persifliert. Die Frauen zeigten eine starke schauspielerische Leistung. In schnellen Rollenwechseln vom dominanten Pellner über den leicht einzuschüchternden Dorsch bis hin zum verrückten Kommandeur mit Putzzwang stellten sie ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis.

Der Grat zwischen gekonnter Übertreibung und dem Abdriften ins Alberne ist jedoch schmal. Die Darstellung der halbnackten Eingeborenen im Baströckchen mit Hängebrüsten wäre zum Beispiel lieber der Fantasie überlassen geblieben.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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