Rastede - Rund 120 Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede sahen jetzt im Zuge eines Kinoseminars im Fach Sozialwissenschaften/Geschichte in der Aula den Nazi-Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“. Der Film wurde 1933 kurz nach dem Brand des Reichtsages als „Anti-Kommunisten-Propaganda“ gedreht.
Michael Kleinschmidt von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden stellte diesen so genannten Vorbehaltsfilm vor, der nur mit Einführung gezeigt und nicht kommerziell ausgewertet werden darf. „Die Nazis wollten mit solchen Filmen junge Leute in die Partei locken“, sagte der Medienwissenschaftler. Mit Hilfe des 90-minütigen Films wollte der Lehrer Lutz Weusmann seine Schüler „in die Kultur der vergangenen Zeit eintauchen lassen und eine Zeitreise in die Nazi-Ära ermöglichen“, sagte er.
Lebendiger Unterricht
Bei der anschließenden Analyse wurde über die medialen Einflussmöglichkeiten diskutiert und es wurden die Mechanismen erläutert, die dieser Propagandafilm enthält. Es war erstaunlich, wie die 15-17-Jährigen diesen „lebendigen Geschichtsunterricht“ mitgestalteten. Der Film wurde als Suggestionsmaschine interpretiert, die Hassgefühle auf die Kommunisten erzeugen sollte, stellten die Schüler fest. Kleinschmidt gestaltete den Unterricht lebhaft, indem er zwischendurch „Nazigrößen“ schauspielerisch zitierte. „Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Josef Göbbels, wollte mit seinen Filmen vom Alltag ablenken oder direkt politisch beeinflussen“, erklärte der Medienpädagoge.
„Wir sind interessiert daran, was damals geschah“, sagten Fenja (15) und Pia (16). Zu Hause sei nicht so viel über dieses Thema gesprochen worden. Christina (17) hat noch eine über 90-jährige Uroma, die ihr ab und zu mal was erzählt habe. „Diese Zeit war sehr schlimm und wir müssen es weitersagen, damit es nicht wieder vorkommt“, sagte die Schülerin.
Dennis (16) und Jannes (16) diskutierten in der Pause mit ihren Mitschülern und waren der Meinung, dass die Gefahr der Wiederholung einer Naziherrschaft sehr gering sei. Es war von der Stabilität der Demokratie die Rede und davon, dass solche Veranstaltungen dazu beitrügen, Aufklärung zu betreiben.
Weitere 80 Schüler der Klasse 12 sahen einen Tag später den antisemitischen Propagandafilm „Jud Süß“ von 1940. Göbbels sagte in seinen Tagebuchnotizen zu diesem Film: „Ein ganz großer, genialer Wurf. Ein antisemitischer Film, wie wir ihn uns nur wünschen können.“
Erinnerungen von Oma
Ann-Kristin (18) und Nadja (19) sagten, sie hätten „Oma und Opa“ oft zu gehört, wenn sie von Kriegs- und Fluchterlebnissen erzählten. „Das Seminar ist eine gute Sache, aber der Zeitpunkt ist unglücklich, weil wir mitten im Vorabitur stecken“, sagten sie. Christoph (17) war optimistisch, dass die deutsche Presselandschaft und die sozialen Medien „so etwas“ verhindern würden. „Jeder weiß inzwischen, dass ein totalitäres Regime in Deutschland keine Chance hat“, sagte der Schüler.
