Hatten/Chendebji - Es kommt nicht selten vor, dass nach Abschluss eines großen Hilfsprojektes die Luft raus ist. Gerade wenn es sich um ehrenamtliche Helfer handelt, die viel Energie und Freizeit opfern. So gesehen, könnte es niemand dem in Hatten ansässigen Förderverein für das unabhängige Königreich Bhutan verübeln, wenn dieser etwas kürzer trete. Schließlich stemmte er zuletzt ein 20 000-Euro-Projekt, indem er 3500 Einmachgläser und sieben elektrische Einkochtöpfe in das 8900 km entfernte Chendebji brachte.
Doch das Gegenteil ist der Fall. Nach dem jüngsten Besuch des 1. Vorsitzenden Khenpo P. Yeshi in seiner Heimat will der Förderverein gleich drei neue Projekte in Angriff nehmen. Das erste betrifft die Küche, die seit einigen Jahren sicherstellt, dass die Schulkinder im Dorf Chendebji wenigstens eine vernünftige Mahlzeit am Tag erhalten. Um diese zu renovieren, benötigt der Förderverein insgesamt 9500 Euro. Eine gesunde Mahlzeit pro Kind zuzubereiten, kostet laut Verein nur etwa einen Euro.
Der Förderverein, dessen 2. Vorsitzender der Munderloher Gerold Heidler ist, hat außerdem mittlerweile 40 Patenschaften für Waisenkinder in Bhutan vermittelt. Im Nachbarort Trongsa muss bei einem Kloster, in dem viele der Waisen betreut werden, der Weg zu heißen Quellen verbessert werden. Dieser gelte selbst nach den dortigen Standards als wirklich beschwerlich, so Heidler. „Die Quellen sind wichtiger Teil der Heilverfahren bei Krankheiten“, erklärt der 2. Vorsitzende. Rund 16 500 Euro will der Verein von Hatten aus für den Ausbau des Zugangs investieren.
Das dritte Ziel hat mit Bhutans Hauptstadt Thimpu zu tun. Alle 40 Waisenkinder sollen die Chance erhalten, zumindest einmal in ihrem Leben Thimpu im Rahmen einer Studienreise zu erleben – Kostenpunkt weitere 9500 Euro. Insgesamt muss der Förderverein also knapp 36 000 Euro aufbringen. Auf die Bingo-Umweltstiftung, die den Kauf der Einmachgläser und Einkochtöpfe finanzierte, will der Verein diesmal nicht zurückgreifen. Stattdessen hoffen die Ehrenamtlichen, private Spender für ihre Aktivitäten begeistern zu können. Von den eigenen Mitgliedern bekam der amtierende Vorstand bereits grünes Licht. Eine von Birthe Pape neu gestaltete Homepage (www.4bhutan.de) soll zusätzlich für die Arbeit des Vereins werben.
Warum überhaupt das Ganze? Rund 32 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, somit ist Bhutan eines der ärmsten Länder der Welt. Da hilft es auch nicht, dass das Land als einziges der Welt seinen Wohlstand nicht mit dem Bruttoinlandsprodukt, sondern mit dem Bruttonationalglück zu messen versucht.
