HATTEN - Zu einer zweitägigen Exkursion war das Präsidium des in Hatten ansässigen „Internationalen Förderverbandes zum Einsatz des Wasserbüffels als Landschaftspfleger“ (IFWL) unterwegs. Unter Führung der Wissenschaftler Dr. René Krawczynski (Diplomökologe) und Dr. Hans-Georg Wagner (Landschaftsökologe) von der Universität Cottbus nahmen IFWL-Präsident und Büffelzüchter Peter Biel, Projektmanager Friedrich Hüper sowie der polnische Student Bartosz Lysakowski und die chinesische Doktorandin Xiaoying Gu an der Niedersachsen-Rundreise teil.
Die Büffel-Experten besuchten ein Hutewaldprojekt im Solling, das Renaturierungsprojekt Ihmeaue bei Ronnenberg, ein mögliches Beweidungsprojekt bei Diepholz und die Wasserbüffelweiden der Büffelfarm Hatten in Huntlosen.
„Das Hutewaldprojekt im Solling zeigt nach nun fast zwölfjähriger Beweidung mit Pferden und Rindern mehr und mehr, welche für viele Lebensräume zentrale Bedeutung die Dynamik hat, die durch große Weidetiere bewirkt wird“, stellte Hans-Georg Wagner fest.
Dies würde gerade auch für Wälder gelten. Wenn auch der partielle Gehölzverbiss dabei vielleicht aus wirtschaftlicher Sicht ein vermeintlicher „Schaden“ sei, so sei aus ökologischer Betrachtungsweise nach über einem Jahrzehnt in diesem Gebiet genau das Gegenteil festzustellen.
Das Projekt „Ihmeaue-Renaturierung“ stellte Diplomingenieur Friedrich Hüper vor, der hier gemeinsam mit Landwirt Fritz Baumgarte ein einmal über 30 Hektar großes Beweidungsprojekt mit großen Wasserflächen von derzeit 20 Wasserbüffeln pflegen lässt und schon nach sechswöchigem Einsatz deutliche Erfolge aufweisen kann.
In der zuvor recht gleichförmigen Landschaft seien durch die Beweidung ganz verschiedenartige Flächen entstanden, die künftig einer Vielzahl von Tieren als Lebensraum dienen könnten, erkannten die Experten. Sie freuten sich über eine sehr gut besuchte Vortragsveranstaltung, zu der der Naturschutzbund Deutschland (NABU) eingeladen hatte.
Zum zweiten Mal inspizierten die Wissenschaftler die Huntloser Büffelweiden. Hier sei das durch ehemalige Gülledüngung Stickstoff liebende Gras deutlich zurück gegangen und Gräser, die eine leichte Armut an Stickstoff anzeigen, haben sich ausgebreitet. Die Vegetation sei auch nicht mehr so dicht, stellte René Krawczynski fest, so dass sich das vorher kühle und feuchte Mikroklima am Boden in Richtung warm und trocken verschoben habe.
Dies begünstigt eine Reihe in Niedersachsen sehr selten gewordene Arten wie den vom Aussterben bedrohten Behaarten Kurzflügelkäfer „Emus hirtus“, der einzig hier in Europa in einer inzwischen sehr großen Population vorkommt. „Hier gibt es noch sehr viel Forschungsbedarf“, so der Insekten-Experte.
Auch der NDR war wieder mit einem Kamerateam vor Ort und ergänzte für die Sendereihe „NaturNah“ mit Stellungnahmen der Wissenschaftler die im Herbst geplante Ausstrahlung ihres Filmes über die fast 15-jährige Arbeit des Hatter Büffelzüchters.
