Phiesewarden - Ein Wohnzimmer als Proberaum: Wer die Produktionskosten niedrig halten will, muss improvisieren können. Dennis Tosun hat seine Mitstreiter nach Phiesewarden eingeladen. Hier bereiten sich zwölf Studenten zwischen 19 und 27 Jahren mehrere Tage auf ihren großen Auftritt vor. Sie wollen ein Musical auf die Bühne bringen, das in Deutschland bisher nur selten zu sehen war. „Tick...Tick... Boom!“ heißt es. Premiere ist am Freitag, 7. Oktober, im Schnürschuh-Theater in Bremen.
Dennis Tosun spielt Klavier und Synthesizer in dem Musical. Er ist außerdem musikalischer Leiter. Der 24-Jährige studiert in Bremen Musikwissenschaft. Viele kennen ihn von der Nordenhamer Gruppe Jasch, in der er ebenfalls fürs Tastenspiel zuständig ist. Und noch ein weiterer Nordenhamer ist mit dabei: Fabian Becker, der bei den Four Rainy Days (ehemals Madheads) Gitarre spielt. Er studiert in Oldenburg Musik und Technik.
Die Studenten kommen von verschiedenen Unis und Hochschulen. Hauptdarsteller Lukas Witzel ist aus Mainz angereist. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen hat sich in Phiesewarden versammelt. Im Garten wird gezeltet. Die Proben finden zwischen Fernseher und Sofa statt. Abends schmeißt die Musical-Crew den Grill an. Morgens geht’s um 10 Uhr weiter.
Bis zu zwölf Stunden
Bis zu zwölf Stunden wird geprobt. In Phiesewarden werden erstmals Musik und Szenen zusammengefügt. Das große Ganze haben die beiden Produktionsleiter im Blick: Marina Pundt und Stephan Huber vom Online-Magazin kulturpoebel.de. Dieses Magazin berichtet nicht nur über Musicals. Es produziert sie auch – so wie jetzt „Tick...Tick... Boom!“
Die Musik ist so rockig wie in kaum einem anderen Musical. Es gibt auch einige Balladen. Aber meistens können die Musiker ordentlich Gas geben. Die Hauptfigur ist Jon, ein Musical-Komponist, der auf seinen großen Durchbruch wartet, während sich Freundin Susan längst Kinder und ein Haus auf dem Land wünscht. Michael, sein bester Freund aus Kindertagen, hat seine Schauspiel-Karriere für einen gut bezahlten Job in der Marktforschung aufgegeben. Beeinflusst von den beiden steht Jon vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens: Soll er seinen Traum, das Musical zu schreiben, das den Broadway für immer verändern wird, weiter verfolgen oder sich einen anständigen Beruf suchen und mit Susan eine Familie gründen?
Das Stück hat Jonathan Larson geschrieben, der vor allem mit dem Musical „Rent“ bekannt geworden ist. Durch seinen rockigen Musikstil sowie die sozialkritischen Themen seiner Stücke hat er das Musical-Genre revolutioniert. Mit 14 Songs, drei Darstellern in zehn Rollen und einer vierköpfigen Band erzählt „Tick...Tick...Boom!“ die Entstehungsgeschichte von Jonathan Larsons „Rent“ und macht Mut, auch in herausfordernden Situationen an seinen Träumen festzuhalten. Das Kulturpoebel-Ensemble führt das Musical in deutscher Sprache auf.
Vielleicht in Nordenham
Der Aufwand ist für das musical-begeisterte Team enorm. Und das große Geld können die Studenten mit den Aufführungen, nicht verdienen. „Wäre schön, wenn wir da plusminusnull rauskommen“, sagt Stephan Huber mit Blick auf die fünf geplanten Aufführungen in Bremen. Gut möglich, dass die Theater-Mannschaft im nächsten Jahr auf Tour geht. Dennis Tosun und Fabian Becker würden sich jedenfalls freuen, wenn sie das Musical auch in Nordenham spielen könnten.
