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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Haydns grandios klingendes Mahnmal

09.09.2008

OLDENBURG Immer wieder einmal werden Aufführungen von Haydns „Schöpfung“, des wohl beliebtesten Oratoriums aller Zeiten, mit Jubiläen jeglicher Art in Verbindung gebracht – auch in dieser Region. Jetzt, zum 900-jährigen Bestehen der Stadt Oldenburg, war es wieder soweit: Tobias Götting, der Kantor an der Oldenburger Lambertikirche, hat es als Beitrag zum Jubiläum auf seinen „Spielplan“ gesetzt.

Vielleicht nicht von ungefähr. Haydns wunderbar ausdrucksvolles und mit vielen plastischen Einzelheiten ausgestattetes Lob der Schöpfung und der Natur wirkt in einer Zeit der Umweltbedrohung besonders ergreifend. Und „Die Schöpfung“ als klingendes Mahnmal, eine Utopie aus der Urvergangenheit als akustischer Denkanstoß, ist ja kein schlechter Gedanke. Die Worte des Erzengels Uriel, der vor dem Chorfinale das künftige Glück der Menschheit warnend preist, sind gerade in dieser Zeit nicht ohne Brisanz.

Götting und seine „Helfer“ – der Lambertichor Oldenburg, die Sinfonietta Oldenburg, die Solisten – haben eine wunderbar klare und ausgewogene, farbige, von der Versenkung in das bedeutungsvolle Detail bestimmte Aufführung zustandegebracht. Und sie haben dieses Ergebnis bei straffen, zugleich flexiblen und erfüllten Tempi erreicht.

Göttings Konzept, Tonmalerei und -symbolik, Affekte und Bilder des Werks zu entfalten, den Komponisten als Tondichter und Naturschilderer zu begreifen, ging glänzend auf. Differenzierte Bildlichkeit, die auch Idylle und Genrehaftes mit einschließt, dabei ganz ohne Malen mit dicker Farbe auskommen kann, und kammermusikalische Klarheit und Deutlichkeit gingen stets Hand in Hand.

Das war von Askese und unfeiner Romantisierung, von sentimentalem, ins Opernhafte getriebenem Pathos gleichweit entfernt. Dynamische, klangfarbliche Nuancen waren tiefenscharf ausmusiziert und -gesungen. Dramatische Spannkraft – kontrastreich auch ohne Drastik – war stets präsent.

Der Chor, in der Diktion sehr genau, im Klangbild homogen und transparent, ist in der lyrisch fragilen Einzelheit, in der Prachtentfaltung à la Händel (Haydns Vorbild) gleichermaßen zu Hause. Beweglichkeit und Noblesse erreichen staunenswertes Niveau.

Das Orchester spielte mit hoher, „ziselierender“ Sorgfalt, lebendig und stilvoll (nur die Violinen könnten mehr Intensität des Tones vertragen).

Trefflich, von instrumentaler Reinheit, war das Gesangssolisten-Ensemble – mit großer Deutlichkeit zugleich erzählend und reflektierend: Britta Stallmeister (Sopran) voll gewinnendem Ausdruck und ganz ohne divahaftes Klischee; Jan Kobow (Tenor), der konturenreich-elegante Führung und Leuchtkraft der Stimme harmonisch verband; Christian Immler (Bass), der sein lyrisches und dramatisches Potenzial intelligent und schattierungsreich einzusetzen verstand. Ovationen.

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