Wiefelstede/Skopje - Was gibt es schöneres, als ein gemütliches, besinnliches Weihnachtsfest im Dezember? Ein zusätzliches Weihnachtsfest noch einmal im Januar! Da ein Großteil der Mazedonier orthodoxe Christen sind, wird hier Weihnachten nicht im Dezember, sondern genau zwei Wochen später im Januar gefeiert.
Heiligabend am 6. Januar
Am 6. Januar ist Heiligabend und mit dem gemeinsamen Abendessen beendet man das vier Wochen vorausgehende Fasten, bei dem weder Fleisch noch Alkohol konsumiert werden und eine Woche vor Weihnachten auch weder tierische Produkte noch Öl verzehrt werden dürfen. Da wird die Freude auf das Essen am Heiligabend riesig.
Das besondere hier am Heiligen Abendessen ist das Teilen von selbst gebackenem Brot: Darin wird eine Münze mit eingebacken – und wer an Heiligabend das Stück Brot mit der Münze bekommt, derjenige ist der Glückliche im nächsten Jahr. Und das ist auch das Gesprächsthema für die nächsten Tage: Wer hat bei wem zu Hause die Münze bekommen? Ich war es dieses Jahr jedenfalls nicht.
Ich wunderte mich, warum zwischen Neujahr und dem orthodoxen Weihnachtsfest auf der Straße getrocknete Zweige verkauft werden, bis wir einen solchen Ast am Heiligen Abend mit nach Hause bekommen haben. Dieser wird in der Kirche vom Priester gesegnet und später in der Wohnung angezündet, um böse Geister zu vertreiben.
Geschenke am 1. Januar
Am 7. und 8. Januar wird dann – ähnlich wie bei uns – mit viel Familie und noch mehr Essen der erste und zweite Weihnachtstag gefeiert. Geschenke gibt es allerdings – statt zu Weihnachten – bereits am 1. Januar. Unter dem bereits aufgestellten Weihnachtsbaum häufen sich dann schön verzierte Päckchen für die Kinder. Wo war mein Geschenk? War ich nicht artig genug? Aber mir wurde dann zu meiner Erleichterung versichert, dass Erwachsene hier nun mal einfach keine Geschenke bekommen.
Silvester hatten wir Freunde aus Deutschland und Griechenland zu Besuch in Skopje. Am 1. Januar waren wir bei meinen Schwiegereltern – mein Mann ist Mazedonier – eigentlich zum Mittagessen eingeladen. Mein Mann meinte allerdings, dass wir dort mit acht Gästen kommen werden, und wir deshalb nur einen Kaffee bei ihnen zu Hause trinken werden. Ihre Wohnung ist einfach viel zu klein, um mit so vielen Leuten dort zu essen. Am 1. Januar tauchten wir also mit versammelter Mannschaft bei meinen Schwiegereltern zum Kaffeetrinken auf.
Und siehe da: es gab nicht nur Kaffee, sondern ein komplettes Buffet mit allem Drum und Dran: selbst gebackenes Brot, verschiedene selbst gemachte Aufstriche, Salat, Pfannkuchen und verschiedene Desserts und Kuchen. Meine Schwiegermutter meinte: „Ich habe doch noch einen kleinen Snack zum Kaffee gemacht.“
Zusätzlich zum neuen Kalenderjahr feiert man hier in Mazedonien vom 13. auf den 14. Januar noch das orthodoxe neue Jahr: Hier passiert eben alles einfach zwei Wochen später.
Weltmeister im Feiern
Aber die Mazedonier sind nun einmal einfach Weltmeister im Feste feiern und verbringen gern viel Zeit mit Freunden und Familie. Da kann man doch einfach alle erdenklichen Feiertage auskosten oder einfach neue erfinden. Zum Beispiel wurden erst in den letzten Jahren der „Tag der Partei“ und der „Tag des Baumes“ als gesetzliche Feiertage eingeführt.
(Serie wird fortgesetzt)
