Nordenham - Am Freitagabend holte der Verein Literaturplus Wesermarsch die im November ausgefallene Veranstaltung zur Geschichte des Giftmordes nach. Zur Einstimmung in Stephanie Baaks Programm „Ratzenkraut und Mäusebutter“ gab es ein duftendes Heißgetränk, die „Buhr‘sche Spezial-Mischung“, einen Schwarztee mit Mandelaroma. Trotz der Gedanken an Bittermandeln und Blausäure fand er viel Zuspruch.
Zunächst hell beleuchtet
Der gut besuchte, den Naturwissenschaften vorbehaltene Große Hörsaal des Gymnasiums Nordenham war anfangs hell erleuchtet, so dass die Requisiten der Inszenierung gut zu sehen waren – darunter ein menschliches Skelett aus dem Biologie-Raum und ein Totenkopf-Schild.
Im Wechselspiel vermittelten die Oldenburger Schauspielerin Stephanie Baak und der Nordenhamer Chemie-und Biologielehrer Maik Buhr auf heiter-ironische Art viel Wissenswertes über die Geschichte des Giftmordes, der in Zusammenhang mit der Entwicklung von Alchimie und Chemie steht.
Sie unterschieden tierische, pflanzliche und andere Gifte, deren Zusammensetzung und Wirkungsweise Maik Buhr mit Bildern und chemischen Formeln erklärte. Videoclips aus bekannten Spiel- und Zeichentrickfilmen illustrierten die fachlichen Ausführungen der beiden Vortragenden.
Stephanie Baak begann ihren Streifzug durch die Geschichte des Giftmordes mit einem Beispiel aus der Bibel. Dann leitete sie über zu den Pharaonen und den Oberschichten der Griechen und Römer, in deren Kreisen die Vergiftung durch Speisen und Getränke üblich war.
So wurden schon damals Vorkoster eingesetzt, um ein vorzeitiges Ableben ihrer Herren zu verhindern. Für das Mittelalter hob Stephanie Baak Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ hervor, in dem vergiftete Buchseiten zum Tod von fünf Mönchen führten. Für die Renaissance stehen die Morde in den Herrscherfamilien Borgia und Medici durch Arsenik, das auch „Erbschaftspulver“ genannt wurde. Bis 1836 der Nachweis durch die Marshsche Probe gelang, war es das bewährteste Mittel, um unliebsame Personen zu beseitigen.
Ein besonderes Augenmerk warf Stephanie Baak auf Giftmorde, die von Frauen begangen wurden. Nicht nur die französischen Adelige Marquise de Brinvilliers brachte Familienmitglieder um, sondern auch die Bremerin Gesche Gottfried, die „Mäusebutter“, eine Verbindung aus Arsen und Fettkügelchen benutzte, um fünfzehn Angehörige aus der Welt zu schaffen, darunter ihre eigenen Kinder.
Dass Giftmorde oft durch Frauen begangen wurden, erklärt sich unter anderem durch ihre hausfraulichen Kenntnisse auf naturkundlichem Gebiet und den Umgang mit Medikamenten bei der Krankenpflege.
Auch in modernen Zeiten sind Giftmorde noch aktuell. Anfang der 1950er Jahre mischte eine junge deutsche Hausfrau das heute verbotene Insektizid E 605 in Milch, Joghurt und Cognac-Pralinen, um es zu tödlichen Angriffen zu verwenden.
Spektakuläres Beispiel
Ein jüngstes spektakuläres Beispiel war 2006 der Tod des russischen Agenten Alexander Litwinenko, der einer Vergiftung durch radioaktives Polonium erlag.
Nachdem die beiden Vortragenden die aufmerksamen Zuhörer vorsorglich noch auf Giftnotrufzentralen hingewiesen hatten, entließen sie diese mit einem Augenzwinkern, indem sie gemeinsam lautstark das Fazit „Nicht nachmachen!“ zogen.
