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NWZonline.de Nachrichten Kultur

BUTJATHA: Helm ab für die Malerei

19.07.2006

OLDENBURG /ELSFLETH Wer den 62-Jährigen belächelt, unterschätzt ihn gewaltig. Er hat sich über drei Jahrzehnte in der Kunstszene gehalten und ist dabei äußerst geschäftstüchtig.

Von Regina Jerichow OLDENBURG/ELSFLETH - An dem riesigen schmiedeeisernen Namensschild an der Landstraße in Richtung Elsfleth ist partout kein Wikingerhelm auszumachen, nirgends ein Hinweis auf den Ex-Kaiser. Der hat mit dem gehörnten Helm offenbar nicht mehr viel am Hut: „Ein Relikt aus der Vorzeit“ nennt Butjatha seine „Krone“, die er zwar noch besitzt, aber schon 1988 mitsamt seiner Kaiserwürde abgelegt hat. „Ich kann nur durch vernünftige Arbeit überzeugen“, sagt der 62-Jährige und strahlt liebenswürdige Überzeugungskraft aus.

Seit rund sieben Jahren lebt der Maler und Aktionskünstler Butjatha in den sechs Baracken eines ehemaligen Bundeswehrgeländes in Moordorf in der Wesermarsch, die er zu Wohnung, Atelier, Magazinen und Galerie umfunktioniert hat. „Das Leben ist die Kunst“, sagt er, seinen Lehrer Joseph Beuys zitierend. Im Falle Butjathas ist das Leben voller Kunst: In den Regalen seiner Magazine stehen seine farbenfrohen Bilder dicht an dicht, die seltsamen Wesen, von denen sie bevölkert werden – Liebesvogel, Deichgeister und der „Soldat“ in Gestalt einer Blume –, gibt es gleich dutzendfach, nicht nur in Keramik, sondern auch in massiver Bronze.

„Das kostet alles ein Vermögen“, verrät Butjatha, alias Wilfried Gerdes, mit geradezu kindlichem Stolz, nur um im nächsten Augenblick mit verschmitzem Augenaufschlag abzuwehren: „Aber über Geld reden wir nicht.“

Viel lieber spricht Butjatha von seiner Arbeit, schimpft über das künstlerische Chaos in den Baracken und liebt dennoch sein „Gerümpel“, weil es ihm Kraft gibt und sein ganzes Glück ist. Er könne nicht einfach nur ein Bild malen oder eine Skulptur schaffen, sondern immer mindestens 30. „Es muss einfach raus.“

Scherz? Ironie? Ein bisschen verrückt? Oder doch ernst gemeint? Wer Butjatha zuhört, ist immer im Zweifel. Wer ihn belächelt, unterschätzt ihn allerdings gewaltig. Der Mitbegründer der legendären Freien Akademie Oldenburg, Schüler von Beuys und Anatol, hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Kunstszene behaupten können. Kunden hat er nicht nur in der Region, sondern in ganz Deutschland und auch in der Schweiz; ein großer Förderer soll in Frankfurt zu Hause sein. Einzelne Werke von ihm sollen mittlerweile sogar Preise in bis zu fünfstelliger Höhe erzielen.

„Ich halte ihn für einen absolut ernst zu nehmenden Künstler“, sagt der Sammler und Kunstkenner Ummo Francksen, der selbst einige Arbeiten Butjathas besitzt. Der gelernte Kunsttischler, der auch einige Semester Architektur studiert hat, habe seine eigene unverwechselbare Handschrift. Auch Jörg Michael Henneberg, stellvertretender Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft, schätzt Butjatha, seine humorvollen Arbeiten und die Aphorismen, mit denen er sie versieht. Er sei ein Künstler, der in allen Bereichen „völlig authentisch ist“.

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Und trotz seiner bescheidenen Lebensweise – „ich lebe gut, aber gebe nichts aus“ – versteht Butjatha sein Geschäft. Den Verkauf herausragender Bilder knüpft er an den Druck von Postkarten mit demselben Motiv, die zigtausendfach verteilt werden und eine kostenlose Werbung für ihn sind. „Man muss geschäftstüchtig sein“, sagt er.

Der Winkingerhelm mag irgendwo verstauben, aber Butjathas Thron steht noch immer im Watt vor dem Dangaster Kurhaus und erinnert an die bunten Tage, in denen die Freie Akademie Oldenburg den Jadebusen unsicher machte. Der Kaiser a. D. malt unterdessen weiter – leuchtende Bilder mit wiederkehrenden Symbolen – und bleibt dabei ein freundlicher, glücklicher Optimist: „Ernst ist das Leben schon genug“, sagt er. Der Ausspruch könnte auch auf eines seiner Bilder passen.

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