Brake - Wer viel in der Welt herumkommt, der kann auch viel erzählen. Das gilt besonders für Fahrensleute, die in ihrem Berufsleben weltweit Häfen und Meere kennengelernt haben.
Gelungene Einblicke
Auf „Fünf Jahre vor dem Mast“ kann der gebürtige Oldenburger Helmut Jänicke zurückblicken, seine Seefahrtzeit hat der Ex-Seemann jetzt im gleichnamigen Buch festgehalten. Das Buch schildert seine Erlebnisse auf deutschen Handelsschiffen in der Zeit von 1955 bis 1960 und gibt einen interessanten und authentischen Einblick in die Verhältnisse der Seefahrt, die in diesen Jahren vom Aufschwung der Nachkriegszeit beflügelt wurde.
Angeregt vom großen Bruder, der ebenfalls Seemann werden wollte, habe er sich auch für die Seemannslaufbahn entschieden, verriet Jänecke seinen Zuhörern. Aber: „Mit der Seefahrt hatte bis dahin keiner in unserer Familie etwas zu tun.“ Nachdem die Eltern den ersten Schock der Berufswünsche ihrer Sprößlinge verdaut hatten, nahmen sie ihre Söhne mit auf ein Seebäderschiff von Wilhelmshaven nach Helgoland. „Jetzt kannten wir die Seefahrt“, schmunzelte Jänecke.
Dass seemännische Ausbildung keine sonntägliche Butterfahrt ist, erschloss sich dem jungen Mann schnell während der dreimonatigen Grundausbildung an der Elsflether Schiffjungenschule. Die damaligen Lehrkräfte – vom „Schleifer“ bis zum väterlich sorgenden Ausbilder – machten den jungen Nautikern in spe schnell klar, dass Zucht und Ordnung an der Elsflether „Mosesfabrik“ an erster Stelle standen. „Die Riemen geschultert, wie Soldaten ihre Gewehre, zogen wir zum Hunteanleger und lernten das Kutterpullen“, so Jänecke.
Und dass Sparsamkeit eine spezielle Eigenschaft der Harener Reeder war, lernte Jänecke als jüngster „Moses“ auf dem Kümo „Thule“. Unvergesslich: das sich freitäglich wiederholende Standardgericht „Erbsensuppe mit Hering“. „Erbsensuppe, getreu dem katholischen Brauch fleischlos gekocht, schlimmer konnte es nicht werden“, gruselt es den Ex-Seemann heute noch. In den folgenden Jahren fuhr Jänecke auf verschiedenen Schiffen und lernte die Welt kennen. An der Bremerhavener Seefahrtschule erhielt er nach seinem Steuermannstudium im Jahr 1962 das A 5-Patent.
Liebe und Seefahrt
In seinem zweiten Büchlein „Lilo – eine Geschichte über die Seefahrt und die Liebe“ beschreibt der Autor den Konflikt zwischen der Liebe zur Seefahrt und der Liebe zu einer Frau: „Ob Liebe und Seefahrt zusammenpassten, darüber hatte ich mir als Sechzehnjähriger keine Gedanken gemacht. Damals stand die Lust auf Abenteuer und die Aussicht, die Welt kennenzulernen, ganz oben auf meinem Lebensplan“.
