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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Zement statt römischer Geschichte?

26.04.2019

Hemmingen Der Ort, der die Fantasien derzeit beflügelt, sieht dabei recht unspektakulär-niedersächsisch aus. Am Rand des Hemminger Ortsteils Wilkenburg bei Hannover fällt der Blick auf einen großen Acker, einen Bach, einige Häuser aus den 1980er Jahren, Kleingärten, Bäume. Vor etwa zwei Jahrtausenden lagerte an dieser Stelle eine gewaltige römische Armee, fernab des Imperiums im tiefen und teils feindlich gesinnten Germanien: Drei Legionen, etwa 20 000 Soldaten, sollen hier im Jahrzehnt nach Christi Geburt auf bis zu 35 Hektar Fläche ein Marschlager errichtet haben.

Das 2015 bestätigte Römerlager Wilkenburg ist für heutige Archäologen ein Schatz: Es ist das nordöstlichste bekannte in Deutschland, das Gelände größtenteils nicht überbaut: Erste Erforschungen haben Hunderte kleiner Dinge zutage gefördert, die römische Soldaten unterwegs so hinterließen: Sandalennägel, Pferdegeschirr, zerbrochene Fibeln und Kleingeld-Münzen aus der Zeit zwischen 1 und 5 nach Christus. Im Boden steckt aber wohl noch viel mehr. „Ein hochrangiges Denkmal“, sagt Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalschutz. Vom Erinnerungsort von hoher Bedeutung spricht Professor Salvatore Ortisi. Der Varusschlacht-Forscher und Experte für provinzialrömische Archäologie arbeitet an Funden aus Wilkenburg. Beide hoffen auf mehr, denn das Bild von Roms Rolle in Germanien habe sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. „Die Römer waren hier wesentlich präsenter, als ich es noch in der Schule gelernt habe“, sagt Ortisi. Das Imperium wollte Germanien vor der Varus-Niederlage zur römischen Provinz machen, ließ dafür sogar Städte bauen.

Davon könnte Wilkenburg erzählen, hoffen die Forscher. Doch der Schatz ist in Gefahr: Der Zementriese Holcim will auf dem Gelände Kies fördern und hat die Region Hannover um Erlaubnis gebeten. Der Abbau ist aktuell möglich, laut Raumordnungsplan ist der Bereich ausdrücklich für Kiesgruben freigegeben. Doch es regt sich Widerstand: Kristina Olmers und Werner Dicke aus dem nahen Hildesheim fordern per Petition vom Land den Erhalt des Bodendenkmals. Die beiden haben mit ihrem Widerstand selbst schon Geschichte geschrieben: Weil ihre Petition mit weit mehr als 5000 Unterschriften die Hürde zur Pflichtbefassung überschritten hat, hat der Petitionsausschuss des Landtags erstmals in seiner Geschichte eine öffentliche Anhörung zum Thema angesetzt. Am 21. Mai sollen in Hannover Experten wie Ortisi über den wissenschaftlichen Wert des Lagers sprechen. Zwar würde das Gelände vor einer Abbaggerung untersucht, doch das reicht den Archäologen nicht. Ihr Argument: Nur ein erhaltener Fundort kann seine Geschichte auch künftigen Forschern mit besserer Technik erzählen.

Wahrscheinlich gehört das Marschlager zum „Immensum Bellum“, einem Germanenkrieg von 1 bis 5 nach Christus, über den die Forscher wegen dürftiger Quellen wenig Genaues wissen. Als sicher gilt, dass der spätere römische Kaiser Tiberius dabei aufständische Germanen unterwarf und bis zur Elbe beim heutigen Magdeburg vorstieß. „Hier könnte Tiberius gesessen haben“, sagt Karola Hagemann von der Römer AG Leine und zeigt auf den Wilkenburger Acker.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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